malta : carduelis carduelis, sanfter irrer

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india : 8.32 – Im Zucker­wa­ren­laden in der Mano­el­street No 15 pendelt über der Laden­theke ein hölzerner Käfig, nicht größer als ein Schuh­karton, in dem sich ein Stieg­litz befindet, ein Männ­chen genauer, das bis in den Abend hinein, ohne je eine Pause einzu­legen, sofort mit der Öffnung des Ladens gegen acht Uhr morgens zu singen beginnt. Das ist eine Art von Gesang, die kaum in Geräuschwör­tern wieder­ge­geben werden kann, ich höre ein dudu­dide oder ein didi­didu oder ein tschirrrzid. Der Käfig hängt dicht unter der gewölbten Decke. Er scheint sich stets in leichter Bewe­gung zu befinden, obwohl kein Windzug zu spüren ist in den schat­tigen Räumen. Eine schläf­rige Frau sitzt dort hinter einem Tresen von Glas, unter dem mit Whiskey, Pini­en­kernen und Kirschen gefüllte Pron­jo­la­ta­ta­schen sorg­fältig gesta­pelt lagern, Kasta­ni­en­torten, Oran­gen­ku­chen, kandierte Früchte aller Art, und darüber eben jener Vogel, der unent­wegt jubi­liert oder nach Hilfe ruft. Er sitzt auf einer Stange immer an derselben Stelle, dreht oder neigt ein wenig seinen Kopf zur Seite hin und scheint die Bewe­gung seiner Wohnung in der Luft, allein durch die Vibra­tion seines Körpers im Gesang hervor­zu­rufen. Manchmal verschließt der Vogel mittels eines silbernen Häut­chens, das weit­ge­hend durch­sichtig sein könnte, ein Auge. Nach ein oder zwei Sekunden nur ist er wieder zurück. Er scheint aufmerksam zu beob­achten wie ich in mein Notiz­buch notiere, was ich von ihm höre. Ein sanfter Irrer.

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