situs inversus / apsis 5

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tango : 8.58 – Früher Morgen. Eine Nacht schwerer Arbeit liegt hinter mir. Ich hatte gestern noch einer Freundin, deren Vater gerade gestorben ist, während eines Spazier­ganges von meiner Suche nach Rhei­n­ele­fanten erzählt. Wie ich auf und ab fahre Stunde um Stunde mit dem Zug zwischen Bingen und Koblenz, die Kamera gezückt. Und wie sie in ihrer Trauer doch für einen Moment herz­haft lachte. Dann sitze ich vor dem Schreib­tisch und habe partout kein Verlangen nach anato­mi­schen Dingen. Dem entgegen menschen­leere Szenen weiter gelesen. Ich lehne an einer Wand des Präpa­rier­saales. Irgendwo klap­pert ein Stück Metall, nichts weiter ist zu hören. Oder doch viel­leicht ein schim­merndes Geräusch in meinem Kopf, leise, leise. Jenseits der Fenster hüpfen Vögel in den Bäumen, Bewe­gung, die anzeigt, dass ich weder vor einem Gemälde, noch vor einer Foto­grafie Platz genommen habe, dass ich mich von der Wand lösen und zu einem der Tische wandern könnte, etwas verän­dern, den Falten­wurf einer Decke viel­leicht, oder eine Seite umblät­tern in einem anato­mi­schen Atlas, der im Saal zurück­ge­lassen wurde. Ich sollte ein Stück Kreide in die Hand nehmen und auf eine Tafel schreiben: Situs inversus / Apsis 5 Tisch 82
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