vögel

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charlie : 2.08 – Plötz­lich war er da, wie aus dem Nichts, der Junge heut Nacht woher zurück­ge­kommen. Kniete auf einem Stuhl vor dem Bett, auf dem seine Mutter ruhte. Ein Arzt hatte zu ihm gespro­chen, erklärt, weshalb die Mutter so lange Zeiten schlafen müsse, diesen merk­wür­digen Schlaf, Monate, Monate, Monate. Und dass die Mutter nicht antworten, aber hören könne, wenn man zu ihr spre­chen würde. Also erzählte der Junge seiner Mutter von der Schule, vom Schnee, vom Ball­spiel, von damp­fenden Loko­mo­tiven seiner Modell­ei­sen­bahn. Manchmal flüs­terte er, beugte sich hin zum schla­fenden Ohr, erzählte von geheimen Dingen. Und von den Vögeln berich­tete der kleine Mann, von Vögeln, die sehr nah gleich hinter dem Fenster an der Brüs­tung des Balkons ihre Schnäbel wetzten. Vögel waren das, beson­dere Vögel, sie halfen, weiter zu erzählen, wenn ihm nichts einfallen wollte. Einmal hörte ich, wie er einen Vogel erfand, ein Wesen, das allein durch Wörter sekun­den­weise exis­tierte, einen Vogel der Poesie. Seine glocken­helle, aufge­regte Stimme, sein erhitztes Gesicht, seine müden Augen, seine Hände, die die Luft beschrieben.
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