20 Gramm : eine Künstlerin erzählt

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zoulou : 18.25 – Inés, die mehrere Jahre lang in einem zentralen Madrider Postamt arbei­tete, erzählt, sie habe in der Stunde etwa 3200 Kurz­briefe mit der Hand sortiert. Jeder ihrer Arbeits­tage dauerte 6 Stunden reiner Arbeits­zeit, das heißt, Stun­den­zeit ohne Pause, da ihre Hände ruhten. Manchmal, wenn ihre rechte Hand schmerzte, habe sie mit der linken Hand sortiert, da sei sie aber nicht so schnell gewesen. Einmal habe sie errechnet, pro Nacht oder Schicht mit ihren Händen aus dem Sitzen heraus 385 Kilo­gramm ange­hoben und durch die Luft trans­por­tiert zu haben. Sie lebte damals in der Calle José Abascal in einem kleinen Atelier unter dem Dach, nun, im Alter von bald 40 Jahren, könne sie Grund der Bilder, die sie zeichne, hervor­ra­gend leben. Einmal wohne sie in London, dann wieder in Berlin, München, Paris. Manchmal träume sie noch von Briefen, die sie in ihrer posta­li­schen Zeit gerne betrachtet habe, Kuverts, die selbst Kunst­werke gewesen seien, liebe­voll gestaltet. Aber das genaue Betrachten der Briefe war natür­lich nicht gestattet, da das Betrachten eines Briefes viel zu lange dauere. Dass ich nun Zeit habe, niemals hetzen muss, sogar selbst entscheiden kann, wie schnell ich mein Abend­brot zu mir nehme, ist mein größtes Glück. – stop

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