eine geschichte von büchern

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nord­pol : 4.02 — B. erzählte gestern, warum sie ihren Lieb­haber M. nun wirk­lich zum let­zten Mal aus ihrer Woh­nung gewor­fen habe. Sie sei, sagte sie, ihrem jun­gen Fre­und noch immer sehr ver­bun­den, aber es sei eben auch so, dass sie gel­ernt habe, niemals vorher­sagen zu kön­nen, was M. Ver­rück­tes in der näch­sten oder übernäch­sten Stunde unternehmen würde. Ein­mal habe er sich auf eine Straße gelegt, um Kindern, die ihn beobachteten, vorzuführen, was geschehen würde, wenn sie bei Rot über die Straße gin­gen. Er sei dann bald selb­st über­fahren wor­den, nur weil die Kinder wink­end auf der Straße einem sich näh­ern­den Bus ent­ge­gen­ge­laufen seien, war er ver­mut­lich am Leben geblieben. Wieder­holt, sieben oder acht Male, sei er außer­dem in das Klassen­z­im­mer, in dem B. ger­ade unter­richtete, einge­drun­gen, um ihr, mit Rosen bewaffnet, je einen Heirat­santrag zu eröff­nen. Ein­mal, das werde sie niemals vergessen, sei M. während ein­er Filmvor­führung im Metrop­o­lis-Kino aufge­sprun­gen und habe darum gebeten, den Film sofort anzuhal­ten, zurück­zus­pulen und langsam wieder vor­wärts laufen zu lassen, da er etwas Beson­deres beobachtet haben wollte, er sei sich aber nicht sich­er gewe­sen, er müsste das über­prüfen. Nun also habe sich M. an ihrer, B.’s, Bib­lio­thek ver­grif­f­en. Zweitausend Büch­er, sorgfältigst sortiert, Philoso­phie, Kun­st, Reise, Dich­tung, ein Sys­tem, in dem sie sofort jedes gesuchte Buch noch im Traum find­en kon­nte. Auch wenn er in guter Absicht gehan­delt haben mochte, an einem Vor­mit­tag, da sie unter­richtete, habe M. ihre Bib­lio­thek völ­lig neu organ­isiert, er habe ihre Büch­er sowohl der Größe, als auch der Farbe ihrer Buchrück­en nach in die Regal ein­sortiert, noch schlim­mer sei gewe­sen, dass er sich ihre Empörung nicht erk­lären kon­nte. Sie habe ihn in die Arme genom­men, und dann habe sie ihn behut­sam auf den Gehsteig vor ihr Haus gestellt. — stop
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