in der dritten stunde schlafloser nacht

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ginkgo : 2.55 – In dem Doku­men­tar­film Unter Kontrolle, der von den inneren Räumen des Atom­kraft­zeit­al­ters her erzählt, erklärt ein leitender Inge­nieur den Wirkungs­zu­sam­men­hang zwischen compu­ter­ge­steu­erten Routinen und mensch­li­chen Wirkungs­op­tionen, die zu Sicher­heit oder möglichst geringer Unsi­cher­heit führen sollen. Es ist ein sympa­thi­scher älterer Herr, der dort spricht. Man sieht, er ist stolz auf die von mensch­li­chem Geist geschaf­fene Maschine. Um seiner Über­zeu­gungs­kraft nicht voll­ständig zu erliegen, muss ich mich bemühen, ich schwimme, mittels Gedan­ken­be­we­gung, gera­dezu an gegen den Sog seiner Argu­men­ta­tion, ich denke: Three Mile Island, Tscher­nobyl, Fuku­shima, ein Tele­gramm denke ich, das sich wieder­holen lässt, ein kleiner Kopf­rotor. Einmal äußert der sympa­thi­sche alte Mann einen höchst bemer­kens­werten Gedanken, er sagt, dass statis­tisch gesehen jeder Mensch 10 Fehler in einer Stunde unter­nehmen würde. Das ist eine sehr selt­same Sache. Mir geht das nicht mehr aus dem Kopf. Es ist jetzt bald drei Uhr in der Nacht, der Statistik zu Folge habe ich bisher 28 Fehler unter­nommen, die jeder für sich nicht sehr schwer gewesen sein dürften, weil ich noch immer exis­tiere. Ich ruhte, zum Beispiel, in der vergan­genen Stunde auf einem Sofa, ich habe weder tele­fo­niert, noch habe ich Musik gehört, auch habe ich in keinem Buch gelesen, ich habe an meinen Vater gedacht, an meine Mutter, an meine Schwester, an meine Brüder, und auch an jenen älteren Herrn und seine Begrün­dung der Maschine. Bald, in wenigen Minuten, werde ich in die vierte Stunde dieses Tages treten. – stop
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