kleine anatomische geschichte

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echo : 5.01 – Gestern ist mir wieder einmal etwa Selt­sames mit mir selbst passiert. Ich beob­ach­tete im Spiegel ein Augenlid, das flat­terte. Ich war noch nicht lange wach gewesen. Als sich das Augenlid beru­higt hatte, bemerkte ich, dass auch ein kleiner Muskel an meiner linken Wange bebte und ich über­legte, welcher Muskel das genau sein könnte. In diesem Moment erin­nerte ich mich an eine kleine Geschichte, die ich vor wenigen Jahren in einem Café erlebte. Eine Freundin saß mir gegen­über. Wir spra­chen über dies und das. Plötz­lich beschwerte sie sich, ich würde sie so seltsam ansehen. Tatsäch­lich hatte ich Bewe­gungen ihres Gesichtes beob­achtet in den Momenten genau, da sie sprach oder lachte. Es war ein unwill­kür­li­cher Blick unter die Haut gewesen, ein sozu­sagen anato­mi­scher Blick, der sie irri­tierte, ohne zu wissen weshalb genau. Sie meinte, ich würde ihr nicht zuhören, sondern träumen. In diesem Moment wurde deut­lich: Sobald ich einen Menschen in anato­mi­scher Weise betrachte, wird mein Blick in den Augen des Betrach­teten kein scharfer Blick sein, wie man viel­leicht erwarten würde, sondern ein unscharfer Blick, eine Grenze über­schrei­tend, phan­ta­sie­rend. – stop
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