nachtmensch

2

romeo : 0.08 – Manche Men­schen, zum Beispiel, wenn ich ihnen nachts auf der Straße begeg­ne, grüßen mich, als wür­den wir uns ger­ade im Hochge­birge oder in ein­er anderen Wild­nis befind­en. Wir set­zen uns dann auf die näch­ste Bank, tauschen ein wenig Pro­viant und die let­zten Nachricht­en aus, und fühlen einan­der ver­bun­den, sagen wir, durch den Man­gel an Licht. Andere Men­schen wiederum fürcht­en sich vor mir, wie jene uralte Dame mit ihrem noch älteren Hund, sie fletscht die Zähne, sobald sie mich sieht gegen drei Uhr auf dem Adornoplatz. Vielle­icht gehört sie bere­its in den her­an­rück­enden Mor­gen, ist Tag­men­sch, nicht Nacht­men­sch, hält mich für lichtscheues Gesin­del. Obwohl ich ihr längst in mein­er ganzen Harm­losigkeit bekan­nt sein müsste, doch stets dieselbe urmen­schlich dro­hende Hal­tung. Vielle­icht ist sie halb­wegs schon blind gewor­den. Oder aber ich werde vergessen, immer wieder vergessen, ein­mal um die eigene Achse gedreht, und schon bin ich zu weit­erem taufrischen Schreck­en gewor­den.
ping

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top