ohrwesen

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romeo : 0.08 – Kurz nach Mitter­nacht. Leichter Regen, aber nur als Vorstel­lung, als Übung, als Suche in den Maga­zinen meines Gehörs. Plötz­lich erin­nerte ich mich, einmal heim­lich ein Ohr aus nächster Nähe beob­achtet zu haben, ein Wunder der Schöp­fung. Ich betrach­tete dieses Ohr so liebe­voll und so lange Zeit, dass ich bald etwas ganz anderes in ihm sehen wollte, als eine halbe Stunde noch zuvor, ein Wesen nämlich ganz für sich. Der Gedanke, ich könnte jeder­zeit ein schla­fendes Ohr mit meinem Blick berühren, ohne dass es davon wach werden würde, faszi­niert mich ausser­or­dent­lich. Wenn ich aber sagen würde, leise, leise: Du bist wunder­schön, dann würde das Ohr mich viel­leicht ansehen, ein noch halb­wegs träu­mendes Auge von einer Sekunde zur anderen Sekunde, und ein Mund, ein Mund, der lächelt. – Gute Nacht.
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