lufteisschrift

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romeo : 2.18 – Ein Eisbuch besitzen, ein Eisbuch lesen, eines jener schim­mernden, kühlen, uralten Bücher, die knis­tern, sobald sie aus ihrem Schnee­schuber gleiten. Wie man sie für Sekunden liebe­voll betrachtet, ihre polare Dichte bewun­dert, wie man sie dreht und wendet, wie man einen scheuen Blick auf die Texturen ihrer Gaszei­chen wirft. Bald sitzt man in einer U-Bahn, den leise summenden Eisbuch­rei­se­koffer auf dem Schoß, man sieht sich um, man bemerkt die begeis­terten Blicke der Fahr­gäste, wie sie flüs­tern: Seht, dort ist einer, der ein Eisbuch besitzt! Schaut, dieser glück­liche Mensch, gleich wird er lesen in seinem Buch. Was dort wohl hinein­ge­schrieben sein mag? Man sollte sich fürchten, man wird seinen Eisbuch­rei­se­koffer viel­leicht etwas fester umarmen und man wird mit einem wilden, mit einem entschlos­senen Blick, ein gieriges Auge nach dem anderen gegen den Boden zwingen, solange man noch nicht ange­kommen ist in den fros­tigen Zimmern und Hallen der Eisma­ga­zine, wo man sich auf Eisstühlen vor Eisti­sche setzen kann. Hier endlich ist Zeit, unterm Pelz wird nicht gefroren, hier sitzt man mit weiteren Eisbuch­be­sit­zern vertraut. Man erzählt sich die neuesten arkti­schen Tief­see­eis­ge­schichten, auch jene verlo­renen Geschichten, die aus purer Unacht­sam­keit im Laufe eines Tages, einer Woche zu Wasser geworden sind: Haben sie schon gehört? Nein! Haben sie nicht? Und doch ist keine Zeit für alle diese Dinge. Es ist immer die erste Seite, die zu öffnen man fürchtet, sie könnte zerbre­chen. Aber dann kommt man schnell voran. Man liest von uner­hörten Gestalten, und könnte doch niemals sagen, von wem nur diese feine Luft­eis­schrift erfunden worden ist. – Guten Morgen. Heute ist Mitt­woch.

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