aylan kurdi

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sierra : 23.25 – Ich hatte bis zum späten Abend keine Zeitung gelesen und auch die Fern­seh­ma­schine nicht ange­stellt. Gegen 22 Uhr rief ein Freund an, fragte, ob ich die Foto­grafie mit dem Jungen gesehen hätte, der aus Kobane geflüchtet, vor einem Urlau­ber­strand der Türkei ertrunken und Land gespült worden sei. Er sagte, er habe mir die Aufnahme gerade eben geschickt, und ich hörte genau in diesem Moment das Geräusch einer ankom­menden E-Mail mit dem Betreff: Der Junge. Eine halbe Stunde später öffnete ich die Datei. Auf der Foto­grafie war der Körper eines Kindes am Strand zu erkennen, einsam, unend­lich einsam, so, als habe das Meer, in dem das Kind ertrunken war, seinen Körper behutsam am Strand abge­legt, seht her, schaut was geschehen ist, öffnet die Grenzen, lasst Flücht­lings­men­schen endlich mit Flug­zeugen zu euch kommen, wehrt sie nicht ab, errichtet keine Zäune, hört auf, Waffen zu liefern, mit welchen tatsäch­lich auf Menschen geschossen wird, ich bin das Meer, aus dem ihr alle gekommen seid. Millionen elek­tri­sche Exem­plare dieser Foto­grafie eines leblosen Kindes sollen sich inner­halb weniger Stunden um die Welt verbreitet haben, eine Foto­grafie, die nie wieder verschwinden wird, ein Gedächt­nis­bild mögli­cher­weise, wie das Bild ( Pulit­zer­preis 1973 ) der durch friendly fire schwer verletzten Kim Phúc und der Geschwister des Mädchens, flie­hend auf einer Straße im Süden Viet­nams, ein Gedächt­nis­bild, an das sich die Mensch­heit nun gewöhnen wird, das Bild betrachten und bedenken, damit es seinen Schre­cken verliert, bis man es nicht mehr wahr­nehmen wird. Der Name des Jungen: Aylan Kurdi. Er wurde 3 Jahre alt. Nicht alle werden sich gewöhnen. – stop

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