buenos aires

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sierra : 6.15 – Eine spin­del­dürre Frau kommt auf dem Flug­ha­fen­bahn­steig an mir vorüber. Es ist kurz vor halb sechs Uhr. Die Frau trägt ein Sommer­kleid, obwohl Winter ist. Ich denke noch, viel­leicht ist sie gerade aus Südame­rika ange­kommen oder aus Austra­lien. Da dreht sie um und kehrt zurück. Sie steht unge­fähr drei Meter von mir entfernt und schaut mich neugierig an wie ein Kind. Beson­ders aufmerksam betrachtet sie meine kleine, flache Schreib­ma­schine. Ich habe die Schreib­ma­schine aufge­klappt und notiere gerade über einen Film, den ich vor Kurzem beob­achtet hatte. Der Film handelt von zwei Londoner Ärztinnen, die in das syri­sche Bürger­kriegs­ge­biet reisen. Sie kauern in einem Taxi und wissen nicht, wie sie sich bewegen sollen, weil sie schwere, gepan­zerte Westen tragen. Die jüngere der beiden Frauen berichtet, dass das ein sehr selt­sames Gefühl sei hier im Auto mit dieser Weste, man könne nicht atmen, aber man sei sicher. Kurz drauf waren Schüsse zu hören. Auf dem Bahn­steig hebt die spin­del­dürre Frau ein Bein in die Luft, während sie auf dem anderen balan­ciert. Keine Tasche weit und breit, kein Koffer. Plötz­lich eine helle Stimme. Die Frau zeigt lächelnd auf meine Schreib­ma­schine: Ob da wirk­lich etwas wich­tiges drin ist, sagt sie. Wie ein Storch steht sie vor mir. Ihre Haut ist so weiß, als wäre sie noch nie mit dem Licht der Sonne in Berüh­rung gekommen. stop – Nichts weiter. – stop
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