ein leises pfeifen

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bamako : 2.25 — Eine kur­dis­che Fre­undin alevi­tis­chen Glaubens erzählte mir eine Geschichte, die eigentlich keine Geschichte ist, son­dern ein Bericht, weil sie per­sön­lich mehrfach erleben musste, wie ihre Tochter eine Fre­undin mit nach Hause brachte, eine junge Kur­din sun­ni­tis­chen Glaubens, die zwar mit der Tochter Zeit ver­brin­gen, aber nicht mit der Fam­i­lie essen wollte, weil sie fürchtete, vielle­icht vergiftet zu wer­den. Ich beobachtete einen tiefen Schmerz in den Augen mein­er Fre­undin während sie erzählte, und auch Zorn und Ent­täuschung. Sie erk­lärte: Das sind die Eltern, die ihre Kinder impfen. Wir Ale­viten sind gefährliche Leute, ver­stehst Du, wir sind lebens­ge­fährliche Leute. Ich fürchte, das alles geht ein Leben lang nicht mehr aus den armen Kinder­see­len raus! – Es ist jet­zt 0 Uhr und 55 Minuten. Nicht wahr, das ist eine wirk­lich merk­würdi­ge Begeben­heit, die ich in dieser Nacht notiere, um sie nicht zu vergessen. Über­haupt vergesse ich zur Zeit recht viel. Vor eini­gen Tagen, während ich mit ein­er weit­eren Fre­undin tele­fonierte, machte ich eine kurze Pause, um Kaf­fee zu kochen. Ich bat meine Fre­undin in der Leitung zu bleiben und stand also in der Küche und erhitzte das Wass­er, als eine Taube auf dem Fen­ster­brett lan­dete. Immer, wenn ich eine Taube sehe, denke ich an Wolf­gang Koep­pen. Ich habe Wolf­gang Koep­pen ein­mal in München in einem Kino beobachtet, einen gebückt gehen­den, alten Mann mit Brille, der sich sehr langsam bewegte. Nie­mand schien ihn erkan­nt zu haben, worüber ich mich damals wun­derte. Ich erin­nere mich genau, ich wun­derte mich viele Tage lang und über­legte, ob ich Wolf­gang Koep­pen nicht einen Brief schreiben sollte, um ihm zu erzählen, dass ich ihn gese­hen habe im Kino und dass ich mich darüber sehr freute. Plöt­zlich hörte ich vom Tisch her, auf dem mein Tele­fon lag, ein leis­es Pfeifen. Das Pfeifen kam tat­säch­lich aus dem kleinen Appa­rat her­aus. Als ich das Tele­fon anhob, wurde das Pfeifen lauter und lauter, und meine Fre­undin erzählte nur Sekun­den später, sie habe nicht mehr daran geglaubt, dass ich sie noch hören würde oder mich an sie erin­nern. Sie habe meine Schritte deut­lich gehört, außer­dem soll ich mit mir selb­st gesprochen haben. – stop

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