ein seltsames buch

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echo : 1.18 – Seit zwei Stunden beob­achte ich ein Buch, das kein gewöhn­li­ches Buch ist, sondern ein selt­sames Buch. Dass es sich um ein selt­sames Buch handelt, ist dem Buch zunächst nicht anzu­sehen, weil es seiner äußeren Gestalt nach, ein übli­ches Buch zu sein scheint. Dieses hier auf meinem Tisch ist von einer blauen Farbe. Sobald man das blaue Buch in die Hände nimmt, wird man aber spüren, dass das Buch atmet, weil an seiner Rück­seite durch feine Lamellen warme Luft auszu­treten scheint. Das ist deshalb so, weil sich in dem Buch eine Rechen­ein­heit befindet, ein sehr kleiner Computer, der sich mit dem Text oder mit der Geschichte, die sich in dem Buch befindet, beschäf­tigt. Es handelt sich bei dem Buch­körper bei genauer Betrach­tung nämlich um eine Versamm­lung hauch­dünner Bild­schirme, auf welchen sich Zeichen befinden, Bild­schirme, die man umblät­tern kann. Was zunächst zu sehen ist, gleich auf welcher Seite das Buch aufge­schlagen wird, sind eben erwähnte Buch­staben oder Ziffern, die sich rasend schnell bewegen, sodass man nicht lesen, viel­mehr nur ahnen wird, was sich dort befinden könnte. Es ist dies der Moment, da der Computer des Buches jenen Text, den man mit eigenen Augen gerne sofort lesen würde, zu entschlüs­seln beginnt. Ein mögli­cher­weise aufwen­diges, zeit­rau­bendes Verfahren. Als ich das Buch kaufte, konnte mir der Händler der verschlüs­selten Bücher nicht sagen, wie lange Zeit ich warten müsse, bis der Text des Buches für mich sichtbar werden würde. Es berei­tete ihm Freude, ich bin mir sicher, auszu­spre­chen, was ich längst dachte, dass die Entschlüs­se­lung des Textes eine Stunde, einen Tag oder zwei­hun­dert Jahre dauern könnte, das sei immerhin das Prinzip, weshalb man ein Buch dieser Art erwerben wollte, dass man ein Buch besitzt, von dem man nicht sagen könne, ob es jemals lesbar werden wird. – Kurz nach Mitter­nacht. – stop

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