giuseppi logan

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hima­laya : 6.45 – Vor zwei oder drei Monaten habe ich eine Geschichte gelesen, von der ich mich sagen hörte, sie sei eine Geschichte, die ich nie wieder vergessen werde, die Geschichte selbst und auch nicht, dass sie exis­tiert, dass sie sich tatsäch­lich ereig­nete, eine Geschichte, an die ich mich erin­nern sollte selbst dann noch, wenn ich meinen Computer und seine Dateien, meine Notiz­bü­cher, meine Wohnung, meine Kartei­karten bei einem Erdbeben verlieren würde, alle Verzeich­nisse, die ich studieren könnte, um auf die Geschichte zu stoßen, wenn sie einmal nicht gegen­wärtig sein würde. Diese Geschichte, ich erzähle eine sehr kurze Fassung, handelt von Giuseppi Logan, der in New York lebt. Er ist Jazz­mu­siker, ein Mann von dunkler Haut. Logan, so wird berichtet, atme Musik mit jeder Zelle seines Körpers in jeder Sekunde seines Lebens. In den 60er Jahren spielte er mit legen­dären Künst­lern, nahm einige bedeu­tende Free­jazz­platten auf, aber dann war die Stadt New York zu viel für ihn. Er nahm Drogen und war plötz­lich verschwunden, manche seiner Freunde vermu­teten, er sei gestorben, andere speku­lierten, er könnte in einer psych­ia­tri­schen Anstalt vergessen worden sein. Ein Mann wie ein Blackout. Über 30 Jahre war Giuseppi Logan verschollen, als man ihn vor wenigen Jahren in einem New Yorker Park lebend entdeckte. Er exis­tierte damals noch ohne Obdach, man erkannte ihn an seinem wilden Spiel auf einem zerbeultes Saxo­phon, einzig­ar­tige Geräu­sche. Freunde besorgten ihm eine Wohnung, eine Platte wurde aufge­nommen, und so kann man ihn nun wieder spielen hören, live, weil man weiß, wo er sich befindet von Zeit zu Zeit, im Tomp­kins Square Park nämlich zu Manhattan. Es ist ein kleines Wunder, das mich sehr berührt. Ich will es unter der Wort­boje Giuseppi Logan in ein Verzeichnis schreiben, das ich auswendig lernen werde, um alle die Geschichten wieder­finden zu können, die ich nicht vergessen will. – stop
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