hologramm

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echo : 12.01 — Immer wieder eine Erschei­n­ung auf Posi­tion 50°6’N 8°38’W, ein Wesen, eine Frau, die einem Infer­no entkom­men oder eine Erfind­ung sein kön­nte. Graues, staubiges, öliges Haar. Ihr von Leid geze­ich­netes Gesicht. Ihre von Schmutz star­ren­den und doch feingliedri­gen Hände. Plas­tik­tüten, die sie in gebück­ter Hal­tung geräuschvoll durch die Abteile der Abendzüge zer­rt. Ihr Blick, der berührt, der mich wahrzunehmen scheint, unendlich trau­rig, unendlich müde. Sie bet­telt nicht. Sie isst nicht. Sie trinkt nicht. Sie fährt nur Zug oder sitzt irgend­wo in den Warte­hallen des Flughafens herum und verbindet ihre entzün­de­ten Füße. Nie habe ich ihre Stimme gehört, nie sie schlafend oder betrunk­en vorge­fun­den, auch nachts um drei Uhr nicht vor den Schal­tern der Lufthansa. Sie wird geduldet. Sie kön­nte eine Mut­ter sein. Wen erwartet sie? Wohin will sie fliegen? Was ist geschehen?

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