liliput

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romeo : 10.12 — Von äußerst heim­lich­er Art und Weise, Gedanken zu notieren, berichtet Patri­cia High­smith in ihrer Erzäh­lung Der Mann, der seine Büch­er im Kopf schrieb. Wenn ich nicht irre, so ruht der Mann, von dem in der Geschichte die Rede ist, stun­den­lang in einem Lieges­tuhl, indessen er laut­los an seinen Roma­nen arbeit­et. Ein gle­icher­maßen Wörter erobern­des wie Wörter sich­ern­des Ver­hal­ten. Es ist schwierig für mich, in ähn­lich­er Weise vorzuge­hen, nahezu unmöglich, ich habe es ver­sucht, ich komme je nur wenige Sätze weit. Nicht, weil ich vergessen würde, was ich bere­its erzählte, nein, ich vergesse das Erzählen selb­st, ich beginne zu kon­stru­ieren, die Sätze geben sich nicht die Hand wie üblich, jed­er neue Satz scheint leb­los zu sein, erstar­rt, ver­traut, erledigt. Wenn ich nun doch so heim­lich wie möglich zu schreiben ver­suche, schreibe ich in ein Notizbuch, schreibe, sagen wir, ein­hun­dert Seit­en weit, bis das Notizbuch mit Zeichen gefüllt ist. Was aber ist nun zu tun mit diesem Buch, das nie­mand lesen darf, nur ich allein, weil es ein pri­vates Buch sein soll, weil das mein Wun­sch, mein Wille ist, dass nur ich dieses Buch lesen werde, solange ich nicht entschei­de, dass das Buch ein öffentlich­es Buch wer­den kön­nte. Ich müsste das Buch ver­steck­en, was nicht wirk­lich möglich ist, oder ich müsste das Buch codieren, also ein zweites Buch ver­fassen, in dem das erste Buch enthal­ten ist, allerd­ings ver­fremdet durch eine Meth­ode, durch einen Schlüs­sel (liliput), zu Auf­be­wahrung in meinem Kopf. Sobald nun das erste Buch in ein zweites Buch ver­set­zt wurde, würde es möglich sein, das erste Buch ver­schwinden zu lassen, mit­tels eines Feuers beispiel­sweise. Man stelle sich ein­mal vor, ich würde meinen Schlüs­sel zur Meth­ode der Entz­if­fer­ung des zweit­en Buch­es vergessen. Bei­de Büch­er ver­loren, wäre ich gezwun­gen, das ist ver­rückt, mein ver­schlüs­seltes Buch ein­er Behörde zu offerieren, die über aus­re­ichende Rechen­leis­tung ver­fügt, um meinen Text zur Lebzeit noch dechiffrieren zu kön­nen. — stop

polaroidantennen

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