linie d – nordwestwärts

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echo : 15.
02 – Von Brooklyn nach Manhattan Subway­fahrt, eine alte Dame vis–à–vis. Seit einer halben Stunde reisen wir so dahin, ich schreibe, sie scheint zu schlafen. Ein kariertes Hütt­chen trägt sie auf dem Kopf und einen Seiden­schal, leopar­d­ge­mus­tert, um einen grazilen Hals gewi­ckelt. Ihr dunkel­häu­tiges Gesicht, zart gefaltet. Von Zeit zu Zeit öffnet sie für eine oder zwei Sekunden eines ihrer Augen und berührt mich mit einem festen Blick. Ich würde gerne wissen, ob sie mich wirk­lich sieht. Gleich werden wir die 33. Straße errei­chen. Ich stelle mir vor, wie die alte Frau weiter­fahren wird, um kurz darauf erneut eines ihrer Augen zu öffnen. Ich werde dann nicht mehr da sein, ein anderer Mensch wird an meiner Stelle sitzen, viel­leicht wird auch dieser Mensch bald einge­schlafen sein, und gerade in dem Moment, da die alte Dame ihr Auge öffnet, eine eben­sol­ches, wach­sames Auge geöffnet haben.

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