Aus der Wörtersammlung: subway

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queens

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char­lie : UTC — Es war spä­ter Nach­mit­tag gewe­sen: Queens. Eigent­lich woll­te ich durch die Gegend strei­fen, in der Lou­is Arm­strong gelebt hat­te, und sein Haus besu­chen, das zu einem Muse­um gewor­den ist. Als ich ein­ge­trof­fen war: Sta­ti­on North Coro­na, bereits Däm­me­rung. Die Stra­ßen schwach beleuch­tet. In der Nähe eines Fens­ters, das von der Sub­way in einem Abstand von 1 Meter pas­siert wird, saß ein dun­kel­häu­ti­ges Mäd­chen vor einem Fern­seh­ge­rät. Ich bemerk­te, ich woll­te das Mäd­chen gern fra­gen, ob es mich sehen kön­ne, ob es die Züge noch hör­te, die in fünf­mi­nü­ti­ger Fre­quenz an ihrem Wohn­zim­mer vor­über­kä­men. Das sind schep­pern­de Züge, krei­schen­de, quiet­schen­de, ble­cher­ne Röh­ren. stop. Schlan­gen. stop. Unge­tü­me. stop. Wie vie­le Jah­re, wie vie­le Züge, die das Mäd­chen viel­leicht nicht wahr­ge­nom­men hat­te? – stop
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auf der madison avenue

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echo : 10.02 UTC — Ich dach­te, ich habe die­sen Traum bereits schon ein­mal geträumt, die­sen oder einen ähn­li­chen Traum. Wäh­rend ich noch in mei­nen Auf­zeich­nun­gen nach Trau­m­ereig­nis suche, fällt das Traum­er­leb­nis einem Fall­schirm kurz nach Lan­dung ähn­lich in sich zusam­men. Nichts zu ver­glei­chen, aber zu erzäh­len: Ich habe die maß­stabs­ge­treue ana­to­mi­sche Dar­stel­lung eines Tief­see­ele­fan­ten­rüs­sels auf der Madi­son Ave­nue ent­rollt. Leuch­tend rote Mus­kel­grup­pen, stau­nen­de Pas­san­ten, Poli­zei­fahr­zeu­ge sperr­ten Kreu­zun­gen, Stun­den rau­schen­den Glücks, bis ich Höhe 129th Street das Ende der For­ma­ti­on erreich­te. Unver­züg­lich mit der Sub­way down­town 23rd Street zurück. Abend war gewor­den, Nacht, ich begann im Licht einer Stirn­lam­pe, jeden ein­zel­nen Mus­kel der 120000 Struk­tu­ren hand­schrift­lich und ana­to­misch sinn­voll zu bezeich­nen: mus­cu­lus ama­zo­ni­us ori­ens. Arbei­te­te einen Block nord­wärts, bald fehl­ten wei­te­re Wör­ter. — stop
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sandwellenwinde

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alpha : 22.18 UTC — Man kann Geschich­ten erzäh­len über das, was man foto­gra­fiert, das ahne ich schon lan­ge. Vater bei­spiels­wei­se erzähl­te, wie er mit Mut­ter an einem hei­ßen Nach­mit­tag Coney Island besuch­te, wie sie im war­men Sand sit­zen, wie er sei­ner gelieb­ten Frau berich­tet, dass er schon ein­mal an die­sem Ort gewe­sen sei, da kann­ten sie sich bereits. Vie­le Jah­re spä­ter wer­de ich mei­nem Vater erzäh­len, dass ich eine Foto­gra­fie besuch­te, die er gefer­tigt hat­te, als ich noch nicht ganz fünf Jah­re alt gewe­sen war. Ich sag­te: Es ist, lie­ber Vater, tat­säch­lich, wie Du berich­test. Man fährt eine hal­be Stun­de mit der Sub­way vom Washing­ton Squa­re aus in süd­west­li­che Rich­tung, dann ist man am atlan­ti­schen Meer und der Him­mel hell über dem Was­ser. Hef­ti­ge Sand­wel­len­win­de fau­chen mir über die Stirn, wie ich auf die­sem Boden gehe, der fest ist. Zer­bro­che­ne Muscheln, Scher­ben von bun­tem Glas, Som­mer­be­stecke, Schu­he, Wod­ka­fla­schen, Lip­pen­stif­te, Holz, Kno­chen. Da und dort haben sich schar­fe Kan­ten gebil­det unter der stren­gen Hand der Win­ter­stür­me, dunk­le, fes­te Struk­tu­ren, in wel­chen sich Spu­ren mensch­li­cher Füße fin­den, als wären sie ver­stei­nert. Bald Brigh­ton Beach. An den Wän­den der Häu­ser ent­lang der See­pro­me­na­de sit­zen alte rus­si­sche Frau­en, wohl ver­packt, auf­ge­ho­ben in die­sem Bild fros­ti­ger Tem­pe­ra­tur. Aber der Schnee fehlt. Und Mr. Isaac Bas­he­vis Sin­ger, der hier spa­zier­te lang vor mei­ner Zeit. — stop

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im zug

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vic­to­ry : 22.02 – Ich habe mich auf den Weg gemacht durch mei­ne Stadt. Ich dach­te noch, Du wirst die­se Stadt spa­zie­ren, ohne sie zu berüh­ren, mit Dei­nen Hän­den, kei­nen Men­schen berüh­ren, kei­ne Stra­ßen­bahn, kei­ne Häu­ser­wand, kei­ne Kaf­fee­tas­se, kei­nen Knopf, kei­ne Gelän­der. Mit die­ser Vor­stel­lung im Kopf ging ich los, Hän­de in den Hosen­ta­schen. Schon ein­mal habe ich so etwas ver­sucht, da war es nur ein Spiel, in einem New Yor­ker Sub­way­zug mit geschlos­se­nen Augen frei­hän­dig zu ste­hen und zu balan­cie­ren, sagen wir eine zwei­stün­di­ge Fahrt mit der Linie D von Coney Island rauf zum Bedford Park Bou­le­vard. Das Rei­ten auf einem wil­den Tier. Viel­leicht könn­te ich sagen, dass das Erler­nen einer Sub­waystre­cke, das neu­ro­na­le Ver­zeich­nen ihrer Stei­gun­gen, ihrer Gefäl­le, ihrer Kur­ven, auch ihrer feins­ten Uneben­hei­ten, dem wort­ge­treu­en Stu­di­um eines Roman­tex­tes ver­gleich­bar ist. Aber dann die Zufäl­le des All­ta­ges, das nicht bere­chen­ba­re, ein Tun­nel­vo­gel, eine schmut­zi­ge Möwe, Höhe 135. Stra­ße, die den Zug zur Brem­sung zwingt, Eigen­ar­ten des Zuges selbst, das unvor­her­seh­ba­re Ver­hal­ten zustei­gen­der Fahr­gast­per­so­nen, eine Jazz­band, wie ich drin­gend dar­um bit­te, man möge nicht näher kom­men. — stop
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zufällige blicke

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lima : 1.
58 UTC — Ein­mal stell­te ich mir vor, wie ich, indem ich schla­fend oder wachend durch Man­hat­tan spa­zie­re, lern­te, mei­ne Ohren in der Wei­se der See­hun­de durch Mus­kel­kraft zu ver­schlie­ßen. Bald war denk­bar gewor­den, dass mir Lamel­len feins­ter Haut wach­sen wer­den, Innen­ohr­se­gel, über deren Bewe­gung ich ver­fü­gen könn­te, wie ich die Bewe­gung mei­ner Hän­de vor­her­sa­gen kann. Mensch­li­che Stim­men im Vor­über­ge­hen in den Far­ben sanf­ter Traum­ge­sprä­che. Der Schlaf der Augen in der Sub­way, die Wild­heit zufäl­li­ger Bli­cke. — stop
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brooklyn : february house

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nord­pol : 23.56 UTC — Weni­ge Wochen vor einer Rei­se nach New York brach ich mir den rech­ten Arm. Das ist jetzt bereits eini­ge Jah­re her, der kom­pli­zier­te Bruch ist gut ver­heilt, ich kann ohne Beschwer­den wie­der mit der Hand notie­ren. Damals aber waren mei­ne Bewe­gun­gen unge­lenk, ich schrieb wie ein Kind mit gro­ßen Buch­sta­ben. Eini­ge die­ser Zei­chen ent­deck­te ich am spä­ten Abend in Carson McCul­lers selt­sa­mer Erzäh­lung Die Bal­la­de vom trau­ri­gen Café. Auf der Sei­te 52 des Buches hat­te ich zwei Wör­ter ver­merkt: Febru­ary House. Ich erin­ner­te mich, dass ich damals den Ent­schluss fass­te, einer Spur der Dich­te­rin in New York zu fol­gen. Ich schrieb um Wochen ver­zö­gert und noch immer unter Schmer­zen: Weil ich nur sehr schwer­fäl­lig mit der Hand in mein Notiz­buch schrei­ben kann, notie­re ich wäh­rend des Lesens, indem ich in Gedan­ken wie­der­ho­le, was zu tun ist in den kom­men­den Stun­den. Nach­for­schen in der digi­ta­len Sphä­re. Wo genau, in wel­cher Stra­ße, in wel­chem Haus wohn­te Carson McCul­lers in Brook­lyn? Ist denk­bar, dass die jun­ge Dich­te­rin tat­säch­lich drei Wochen benö­tig­te, um das Sub­way-Sys­tem der Stadt New York ver­las­sen zu kön­nen? Oder such­te sie in eben­die­sem Raum der Zeit nach ihrer Woh­nung, die sie nicht wie­der fin­den konn­te, weil sie mit­tel­los und ohne genaue­re Orts­kennt­nis in einem U‑Bahnwagon zurück­ge­las­sen wor­den war. Wie vie­le Dol­lar kos­te­te eine Fla­sche Whis­key im Jahr 1934? Wie viel ein Taxi? – Wenn ich in Gedan­ken notie­re, wie­der­ho­le ich drei­fach, was ich mir zu mer­ken wün­sche. Ver­lo­re­nes, das könn­te sein, bemer­ke ich nicht. Oder nur einen Schat­ten ohne Wör­ter. — stop

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von der stille

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hima­la­ya : 20.12 UTC — Ein­mal spa­zier­te ich durch New York an einem war­men Tag im April. Ich ging eini­ge Stun­den lang ohne ein Ziel nur so her­um, manch­mal blieb ich ste­hen und beob­ach­te­te dies oder das. Ich dach­te, New York ist ein ausge­zeich­neter Ort, um unter­zu­tau­chen, um zu ver­schwin­den, sagen wir, ohne aufzu­hören. Ich stell­te mir vor, wie ich in die­ser Stadt Jah­re spa­zie­ren wür­de und schau­en, mit der Sub­way fah­ren, auf Schif­fen, im Cen­tral Park lie­gen, in Cafés sit­zen, durch Brook­lyn wan­dern, ins Thea­ter gehen, ins Kino, Jazz hören, sein, anwe­send sein, gegen­wärtig, ohne aufzu­fallen. Ich könn­te exis­tieren, ohne je ein Wort zu spre­chen, oder viel­leicht nur den ein oder ande­ren höfli­chen Satz. Ich könn­te Nacht­mensch oder Tag­mensch sein, nie wür­de mich ein wei­te­rer Mensch für eine län­ge­re Zeit als für eine Sekun­de bemer­ken. Sehen und ver­ges­sen. Wenn ich also ein­mal ver­schwin­den woll­te, dann wür­de ich in New York ver­schwin­den, vor­sich­tig über Trep­pen stei­gen, jeden Rumor mei­den, den sensi­blen New Yor­ker Blick erler­nen, eine klei­ne Woh­nung suchen in einer Gegend, die nicht all­zu anstren­gend ist. In Green­wich Vil­la­ge viel­leicht in einer höhe­ren Eta­ge soll­te sie lie­gen, damit es schön hell wer­den kann über Schreib­tisch und Schreib­ma­schine. Ich könn­te dann von Zeit zu Zeit ein Tonband­gerät in mei­ne Hosen­ta­sche ste­cken und für einen oder zwei mei­ner Tage ver­zeich­nen, was Men­schen, die mir begeg­ne­ten, erzähl­ten. So ging ich damals dahin, ich glau­be, ich spa­zier­te im Kreis her­um, berühr­te da und dort die Küs­te eines Flus­ses, und als es Abend wur­de, besuch­te ich Mari­na Abra­mo­vić, die seit Mona­ten bereits in einem Saal des Muse­ums für moder­ne Kunst auf einem Stuhl saß. Wie sie Men­schen erwar­te­te, um mit ihnen gemein­sam zu schwei­gen, berüh­ren­de Stun­den, und ich dach­te und notier­te, wie ich heu­te wie­der notie­re, es geht dar­um, in der Begeg­nung mit Men­schen Zeit zu tei­len, es geht dar­um, die Zeit zu syn­chro­ni­sie­ren, in mei­nem Fal­le geht es dar­um, lang­sa­mer zu wer­den, um Men­schen in der Wirk­lich­keit nahe­kom­men zu kön­nen, es geht dar­um in die­ser rasen­den Welt von Still­stand, so lang­sam zu wer­den, und wenn es nur für weni­ge Stun­den ist, dass ein Gespräch, eine Berüh­rung, über­haupt mög­lich sein kann. Dar­an wie­der erin­nern, Tag für Tag. — Heu­te bin ich nicht in New York. Wo ich bin, schwebt ein dunk­ler, schla­fen­der Zep­pe­lin am Hori­zont, der mög­li­cher­wei­se bald auf­wa­chen und blit­zen wird. Ein schö­ner, nach­denk­li­cher Tag, wei­te­re schö­ne Tage wer­den fol­gen. Ich wer­de lang­sam lesen und lang­sam spre­chen, und den­ken wer­de ich so lang­sam wie nie zuvor. Ich wer­de die Emp­fin­dung der Zeit zur Geschmei­dig­keit über­re­den, ja, das ist vor­stell­bar, wei­che, war­me Stun­den. — stop

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serpentine

picping

MELDUNG. Man erzählt, ein Mobil­te­le­fon, wel­ches sich wahl­los mit wei­te­ren elek­tri­schen Appa­ra­tu­ren ver­bin­den woll­te, habe am gest­ri­gen Abend nahe Kings Cross in einem Wag­gon der Lon­do­ner Sub­way das plötz­li­che Able­ben fol­gen­der Per­so­nen bewirkt: Hen­ry L. Mil­ler, 82, Eddy M. Lit­ty, 91, sowie Lis­beth Fer­gur­son, 78. Im Hyde Park, west­lich der Ser­pen­ti­nes, sol­len leuch­ten­de Kühe unter Lin­den bei zärt­li­chem Lie­bes­spiel beob­ach­tet wor­den sein. — stop

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ein ball

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whis­key : 0.12 — Ein­mal beob­ach­te­te ich in New York einen Mann, wie er das Ver­hal­ten eines Bal­les in einem Wag­gon der Sub­way stu­dier­te. Es war ein son­ni­ger Tag im Janu­ar, ich fuhr gera­de mit der Linie N Rich­tung Coney Island, als der Mann, der mir im Zug unmit­tel­bar gegen­über Platz genom­men hat­te, einen roten Ball, von wei­ßen Punk­ten bedeckt wie ein Flie­gen­pilz, aus einer Tasche hol­te und auf den Boden leg­te. Sofort roll­te der Ball gegen die Fahrt­rich­tung davon, ver­lor sich zunächst zwi­schen den gestie­fel­ten Bei­nen eini­ger Rei­sen­der, war dann für einen Moment nicht zu sehen, sodass der Mann, der den Ball frei­ge­las­sen hat­te, sich nach vorn beu­gen muss­te, um ihn wie­der in den Blick zu bekom­men. Kurz dar­auf kehr­te der Ball zurück, beschrieb einen wei­ten Bogen, stieß mehr­fach gegen die Füße einer schla­fen­den Frau, die die Berüh­run­gen des Bal­les aber nicht zu bemer­ken schien und ein­fach wei­ter­schlief. Indes­sen ver­zeich­ne­te der Mann mit­tels eines Blei­stif­tes den Weg des Bal­les durch den Wag­gon in ein Notiz­buch, schar­fe Rich­tungs­wech­sel, enge Krei­se, oder auch ruhi­ge­re Bewe­gun­gen des Bal­les über den Gang des Wag­gons wur­den in die­ser Wei­se prä­zi­se doku­men­tiert. Ein­mal nahm ein Kind den Ball in sei­ne Hän­de, da mach­te der Mann an dem Ort, da der Ball den Boden ver­ließ, ein Kreuz auf sein Papier. Nach einer hal­ben Stun­de stieg der Mann aus dem Zug, und ich dach­te noch, dass ich die­sem Mann und sei­nem Ball viel­leicht nie wie­der begeg­nen wür­de. Ich notier­te: Hier in New York begeg­net man stän­dig Men­schen, die man nie wie­der sehen wird. Drei Tage spä­ter bemerk­te ich einen roten Ball mit wei­ßen Punk­ten auf einer Fäh­re nach Sta­ten Island, er roll­te lang­sam über das Hur­ri­ca­ne-Deck. — stop

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bonsai bryant park

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lima : 3.08 — In New York spa­zie­rend die Ein­sicht, Geheim­diens­te, ihre Men­schen, ihre Appa­ra­tu­ren, sind hier tat­säch­lich sehr geheim. Ich stell­te mir Men­schen vor, die auf Dächern in Was­ser­tür­men leben. Aber die­se Men­schen sind kei­ne Geheim­dienst­men­schen, son­dern Aben­teu­rer oder arme Per­so­nen. In der Sub­way die Durch­sa­ge, Radio­ge­rä­te sei­en für die­sen Tag ver­bo­ten. Ich bin fast allein im Wag­gon. Eine Frau, die mir gegen­über­sitzt, schläft gedul­dig, das heißt, sie däm­mert vor sich hin, schläft nicht wirk­lich, sie scheint sich mit ihrer Lage arran­giert zu haben. Next stop Jamai­ca. Men­schen in der Sub­way sind zunächst ein­mal Men­schen, die Zeit­räu­me pas­sie­ren. Die Erfah­rung der lang­sam dahin­flie­ßen­den Rei­se­zeit hin­ter geschlos­se­nen Augen scheint ange­neh­mer zu sein als die Erfah­rung der Rei­se­zeit mit geöff­ne­ten Augen. Mei­ne Zeit ist eine Rasen­de. Spät­abends eine Roll­trep­pe im Bahn­hof Lex­ing­ton Ave­nue Höhe 86. Stra­ße, die singt. Was­ser tropft. In den Wän­den sehr lang­sam rotie­ren­de Räder, die die Luft bewe­gen. Ein­mal für ein Jahr im Bryant Park als Bon­sai-Mensch in den Bäu­men exis­tie­ren. Was wür­de ich hören, wäre ich ein Hund? — stop
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