ein ball

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whiskey : 0.12 – Einmal beob­ach­tete ich in New York einen Mann, wie er das Verhalten eines Balles in einem Wagon der Subway studierte. Es war ein sonniger Tag im Januar, ich fuhr gerade mit der Linie N Rich­tung Coney Island, als der Mann, der mir im Zug unmit­telbar gegen­über Platz genommen hatte, einen roten Ball, von weißen Punkten bedeckt wie ein Flie­gen­pilz, aus einer Tasche holte und auf den Boden legte. Sofort rollte der Ball gegen die Fahrt­rich­tung davon, verlor sich zunächst zwischen den gestie­felten Beinen einiger Reisender, war dann für einen Moment nicht zu sehen, so dass der Mann, der den Ball frei­ge­lassen hatte, sich nach vorne beugen musste, um ihn wieder in den Blick zu bekommen. Kurz darauf kehrte der Ball zurück, beschrieb einen weiten Bogen, stieß mehr­fach gegen die Füße einer schla­fenden Frau, die die Berüh­rungen des Balles aber nicht zu bemerken schien und einfach weiter­schlief. Indessen verzeich­nete der Mann mittels eines Blei­stiftes den Weg des Balles durch den Wagon in ein Notiz­buch, scharfe Rich­tungs­wechsel, enge Kreise, oder auch ruhi­gere Bewe­gungen des Balles über den Gang des Wagons wurden in dieser Weise präzise doku­men­tiert. Einmal nahm ein Kind den Ball in seine Hände, da machte der Mann an dem Ort, da der Ball den Boden verließ, ein Kreuz auf sein Papier. Nach einer halben Stunde stieg der Mann aus dem Zug, und ich dachte noch, dass ich diesem Mann und seinem Ball viel­leicht nie wieder begegnen würde. Ich notierte: Hier in New York begegnet man ständig Menschen, die man nie wieder sehen wird. Drei Tage später bemerkte ich einen roten Ball mit weißen Punkten auf einer Fähre nach Staten Island, er rollte langsam über das Hurri­cane-Deck. – stop

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