am telefon

pic

sier­ra : 6.05 — Mein Fre­und Louis erzählte eine Geschichte von einem Mann, dem er vor weni­gen Jahren in New York begeg­net sein will. Ich werde kurz bericht­en, obwohl es schon spät gewor­den ist. An dem Tag, an dem Louis’ Geschichte sich ereignete, wan­derte er durch die Stadt ohne Ziel. Manch­mal stieg er in einen Zug der Sub­way und fuhr irgend­wohin. Ein­mal, es war Abend gewor­den, erre­ichte er Brighton Beach, aber anstatt den Strand zu besuchen, fuhr er sofort wieder zurück. Das war ein großes Glück gewe­sen, denn hätte er nur einen oder zwei spätere Züge nach Man­hat­tan genom­men, wäre er dem Mann, von dem er mir erzählte, ver­mut­lich nie begeg­net. Dieser Mann war ein klein­er, schmächtiger Herr, der bre­it­beinig vor ein­er Tür stand und zu tele­fonieren schien. Er sprach, ohne eine Pause zu machen, mit lauter Stimme Wörter, die Louis nicht ver­ste­hen kon­nte. Als der Zug nach ein­er hal­ben Stunde Fahrt über den Däch­ern Brook­lyns in den Unter­grund tauchte, geschah etwas Selt­sames, denn der Mann sprach weit­er in sein Tele­fon, obwohl jede Funkverbindung im Tun­nel­sys­tem sofort unter­brochen wurde. Kaum jemand unter den Fahrgästen schien den kleinen Mann zu bemerken. Eine Fünf-Mann-Band betrat den Wag­on, sie spielte einen Brasstan­go, der Zug bebte und der schmächtige Mann tele­fonierte und lachte und spendete einen Dol­lar. In der Lex­ing­ton Avenue, Höhe 63. Straße, stieg der Mann aus, fuhr mit der Roll­treppe in das Zwis­chengeschoss, stieg zur Straßenebene hin­auf und lief weit­er nord­wärts. Er hat­te bis dahin, eine Stunde war seit sein­er Ent­deck­ung ver­gan­gen, nie aufge­hört zu sprechen, und auch jet­zt, im Gehen, set­zte er seine Rede fort. An der Ecke zur 83. Straße besuchte der Mann eine Pizze­ria, auch Louis trat in den düsteren Laden ein. Er hörte dem Mann weit­er zu, wie er mit vollem Mund seinen Text vol­l­zog, als kön­nte er unmöglich aufhören, als würde etwas Schreck­lich­es geschehen, wenn er nur ein­mal für eine Sekunde eine Pause machte. Bald trat der kleine, sprechende Mann wieder auf die Straße und set­zte seinen Weg in Rich­tung Harlem fort. Es war inzwis­chen später Abend gewor­den, die Luft küh­ler, Men­schen saßen ent­lang der Häuser­wände auf Klapp­stühlen. Um kurz nach Mit­ter­nacht plöt­zlich hielt der Mann an und ver­s­tummte. Er stand einige Minuten ganz still. Er schien zu über­legen. Dann legte er das Tele­fon auf den Boden ab, drehte sich um und machte sich auf den Weg zurück. Er ging zunächst süd­wärts über die Lex­ing­ton Avenue, Höhe der 60. Straße bog er nach links ab, schlen­derte langsam zur Tramway — Sta­tion, gegen drei Uhr löste er ein Tick­et. — stop
polaroidtram

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top