brooklyn : february house

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nord­pol : 23.56 UTC — Wenige Wochen vor ein­er Reise nach New York brach ich mir den recht­en Arm. Das ist jet­zt bere­its einige Jahre her, der kom­plizierte Bruch ist gut ver­heilt, ich kann ohne Beschw­er­den wieder mit der Hand notieren. Damals aber waren meine Bewe­gun­gen unge­lenk, ich schrieb wie ein Kind mit sehr großen Buch­staben. Einige dieser Zeichen ent­deck­te ich am späten Abend in Car­son McCullers selt­samer Erzäh­lung Die Bal­lade vom trau­ri­gen Café. Auf der Seite 52 des Buch­es hat­te ich zwei Wörter ver­merkt: Feb­ru­ary House. Ich erin­nerte mich, dass ich damals den Entschluss fasste, ein­er Spur der Dich­terin in New York zu fol­gen. Ich schrieb um Wochen verzögert und noch immer unter Schmerzen: Weil ich nur sehr schw­er­fäl­lig mit der Hand in mein Notizbuch schreiben kann, notiere ich während des Lesens, indem ich in Gedanken wieder­hole, was zu tun ist in den kom­menden Stun­den. Nach­forschen in der Dig­i­tal­en Sphäre. Wo genau, in welch­er Straße, in welchem Haus wohnte Car­son McCullers in Brook­lyn? Ist denkbar, dass die junge Dich­terin tat­säch­lich drei Wochen benötigte, um das Sub­way-Sys­tem der Stadt New York ver­lassen zu kön­nen? Oder suchte sie in eben diesem Raum der Zeit nach ihrer Woh­nung, die sie nicht wieder find­en kon­nte, weil sie mit­tel­los und ohne genauere Ortsken­nt­nis in einem U-Bah­n­wag­on zurück­ge­lassen wor­den war. Wie viele Dol­lar kostete eine Flasche Whiskey im Jahr 1934? Wie viel ein Taxi? – Wenn ich in Gedanken notiere, wieder­hole ich dreifach, was ich mir zu merken wün­sche. Ver­lorenes, das kön­nte sein, bemerke ich nicht. Oder nur einen Schat­ten ohne Wörter. — stop

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