spulen

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sierra : 15.01 – Ich hatte eine Spule digi­taler Spei­cher­scheiben von einem Zimmer in ein anderes Zimmer getragen. Wie ich über eine Türschwelle trete, wurde mir bewusst, dass ich in meinen Händen 500 Filme trans­por­tierte oder 750 Stunden Zeit, die vergehen würde, wenn ich jeden dieser Filme einmal betrachten sollte. Ich setzte mich auf mein Sofa und legte eine der Scheiben in meinen Computer. Kaum 2 Minuten waren vergangen, und schon hatte ich 5 Filme, die auf dem Daten­träger seit Jahren gespei­chert waren, von ihrem ursprüng­lich Ort in einen Kasten von der Größe einer Zigar­ren­schachtel trans­por­tiert. Mein Computer arbei­tete indessen so leise, dass ich mein Ohr an sein Gehäuse legen musste, um gerade noch seinen Atem vernehmen zu können. Zwei Stunden atmete mein Computer, in dem er alle Filme der Spule, Scheibe um Scheibe, in den kleinen Kasten, der neben ihm auf dem Sofa ruhte, trans­fe­rierte. Dann holte ich eine weitere Spule und setzte meine Arbeit fort, bis auch diese Spule und ihre Filme in das Käst­chen über­tragen waren, Spule um Spule, eine Nacht entlang. Nun ist das so, dass sich in meinem neuen Film­ma­gazin unge­fähr 3000 Filme befinden, ohne dass das Daten­käst­chen größer oder schwerer geworden wäre. Ich glaube, ich habe etwas Welt verdichtet, einen Raum gespei­cherter Film­be­trach­tungs­zeit verklei­nert, eine Möglich­keit der Zeit, die sich selbst nicht verän­dert haben sollte. – stop

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