puma 15 gramm

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echo : 7.05 – Abend war gewor­den. Wärme stieg vom Holz des Tis­ches auf, die Luft bewegte wie die Seit­en des Buch­es, in dem ich las, als sich ein unbekan­ntes Wesen auf lan­gen Beinen von West­en her kom­mend näherte. Eine tat­säch­lich höchst merk­würdi­ge Erschei­n­ung war das gewe­sen. Irgend­je­mand hat­te den Kopf eines fil­igra­nen Tropen­vo­gels, den Kör­p­er eines Insek­ts und das Bewe­gungsver­mö­gen ein­er Raubkatze lose ver­schraubt und freige­lassen. Geräusch­los, auf Giraf­fen­beinen, stolzierte das Mon­tierte nun über mein Buch hin­weg, langsam, furcht­los, so dass ich alles genau betra­cht­en kon­nte. Indessen schien sich das Wesen nicht im min­desten für mich, seinen Beobachter, zu inter­essieren, son­dern war allein um das Buch bemüht, vielle­icht deshalb, weil das Buch angenehm duftete. Nach eini­gen Minuten der Papierun­ter­suchung, legte sich das Tier mit­tels ein­er grazilen Sinkbe­we­gung seitwärts auf den Tisch und lag genau dort immer noch, als ich am fol­gen­den Mor­gen zurück­kehrte, um weit­erzule­sen. Ich blieb dann einige Zeit wie geban­nt unter freiem Him­mel sitzen und beobachtete das frisch ent­deck­te Lebe­we­sen, wie es frass, wie es ruhte, wie es badete, atmete, nach Fliegen jagte. Und weil ich nichts vergessen wollte, notierte ich, was ich sah und was ich denken kon­nte, zum Beispiel schrieb ich fol­gende Notiz: Flügel­los­es Mis­chwe­sen. stop Haut­farbe blau. stop Fleis­chfress­er. stop 15 Gramm. stop Sprach­los. stop Ich arbeit­ete fieber­haft. Drei Tage, drei Nächte. Ein­mal legte ich meinen Kopf auf den Tisch, schlief ein und träumte, wie sich der Kör­p­er des Tieres öffnete. Flügel ent­fal­teten sich, das Tier schwebte, schnur­ren­des Geräusch, über meinem Gesicht auf und ab. stop. Schnee bis ins Tal. — stop
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