sommerhut

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tango : 6.55 – Menschen exis­tieren, die Flüch­tige sind in sich selbst, unscharfe Wesen, oszil­lie­rende, bebende Personen, obwohl sie doch in nächster Nähe stehen, man könnte sie berühren, ihnen die Hand reichen, wird man ihrer niemals sicher sein. Oder Schla­fende. Eine Frau morgens im Zug, der ich seit Jahren in der 6-Uhr-15-Bahn vom Flug­hafen ins Stadt­zen­trum fahrend regel­mäßig begegne. Sie ist immer schon anwe­send, wenn ich den Zug betrete. Sie ist vermut­lich die einzige Frau, deren Gesichts­züge mir vertraut sind, ohne je ihre Augen gesehen zu haben. Ich kenne sie ausschließ­lich als schla­fende Person. Vermut­lich wird sie stets lange vor meiner Zeit in den Zug gestiegen sein, viel­leicht in Bad Kreuz­nach oder Idar Ober­stein, da war halb noch Nacht. Ich nehme an, ihr Schlaf ist tief, denn sie sitzt sehr stabil von einer Hand­ta­sche beschwert und rührt sich auch dann nicht, wenn jemand neben ihr Platz nimmt. Ihr rund­li­ches Gesicht ist niemals geschminkt, ein fried­li­ches, ich würde sagen, ein glück­li­ches Gesicht. Einmal, in den Tagen großer Hitze, trug sie einen Sommerhut, ein anderes Mal im Winter eine Woll­mütze. – stop

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