am mississippi

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alpha : 16.12 — Ramos erzählte gestern am späten Abend von ein­er Meth­ode, E-Mail der­art zu pro­gram­mieren, dass sie sich kurz nach ihrem Aufruf vor den Augen des Lesenden selb­st zer­stören oder auflösen wird, weil ihre Zeichen heller und heller wer­den, bis sie unsicht­bar gewor­den seien. Ramos selb­st will diese Möglichkeit des Ver­schwindens pro­gram­miert haben. Wir notierten zur Probe einen elek­trischen Brief an mich selb­st. Ich sendete also einen kurzen Text, den ich vor fünf Jahren bere­its aufgeschrieben hat­te: 6.15 – Während ich Stunde um Stunde in Stew­art O’Nan’s Roman Last Night at the Lob­ster lese, immer wieder das Wort Missis­sippi im Kopf. Die Idee, dass das Wort Missis­sippi in der Fort­set­zung der Lek­türe nach und nach alle weit­eren Wörter und Gedanken erset­zten kön­nte. In einem Wort ver­schwinden. — stop - Sobald die E-Mail, die mit­tels Ramos’ Pro­gramm notiert wor­den war, auf mein­er Schreib­mas­chine eingetrof­fen war, öffnete ich sie. Tat­säch­lich, kaum hat­te ich den Cur­sor mein­er Schreib­mas­chine über den Text hin bewegt, lösten sich seine Buch­staben auf, sie verblassten, waren bald nur noch eine Ahnung auf der Net­zhaut meines Auges. Ramos erk­lärte, alle Zeichen, die mit­tels seines Prog­a­r­mmes ver­schlüs­selt wor­den seien, wür­den für eine Minute zur Ver­fü­gung ste­hen, man dürfe den Text der E-Mail jedoch nicht berühren oder den Ver­such unternehmen, einen Screen­shot anzufer­ti­gen. Jede bekan­nte Meth­ode des Fan­gens auf kün­stlichem Wege sei unwirk­sam. Auch eine Fotografie zu nehmen mit­tels eines gewöhn­lichen Fotoap­pa­rates sei nicht möglich. Ramos, der höcht begeis­tert wirk­te, wollte mir nicht erzählen, wie dieses Ver­hal­ten pro­gram­miert sein kön­nte. Was bleibt, sagte Ramos, ist eine E-Mail dieser Art auswendig zu ler­nen, um sie kurz darauf auf Papieren zu rekon­stru­ieren. — stop

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