fifth avenue – lemur

2

tango : 20.
56 – Papp­kar­ton­hütten auf Treppen, die zu Kirchen­räumen führen, zerlumpte, sich bewe­gende Gebilde. Seit Stunden geht mir ein Satz nicht aus dem Kopf, der in New Yorker Subway – Zügen immer wieder einmal zu lesen ist: Give the homeless the kind of change they can really use. Irgend­etwas irri­tiert in dieser Zeile. – Abend. Warm und schwül der Atem der Straßen. Vor der St Patricks Cathe­dral, Fifth Avenue, liegt eine Frau ohne Bewusst­sein um einen Hydranten gewi­ckelt auf dem Boden. Eine Ratte zerrt an ihrem Gepäck­wagen. Das nervöse Tier hebt den Kopf, scheint mich zu betrachten, diesen Mann in feinen Hosen, mit tadel­losen Wander­schuhen, der bei geöff­netem Mund vorsichtig atmet. Beißender Gestank ruht in der Luft. Ich stehe, ich denke, sie wird bald sterben, diese Frau wird bald sterben. Sie könnte eine Mutter sein. Ihre eitrigen Hände. Ihr schmutz­graues Gesicht. Ihr stau­biges Haar. Ihre tief in den Kopf einge­sun­kenen Augen. Was ist, was nur um Gottes­willen ist geschehen, dass sie so endet?

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top