geraldine beobachtet wolken

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char­lie

~ : geral­dine
to : louis
sub­ject : WOLKEN

Dieser wun­der­volle Him­mel über mir, Mr. Louis, ich schreibe Ihnen, dass ich glück­lich bin. Liege in meinem Stuhl und schaue den Wolken zu, wie sie ein­mal größer und dann wieder klein­er wer­den. Ich glaube, sie leben und wenn sie ein­mal ver­schwinden, sind sie nicht wirk­lich ver­schwun­den, son­dern nur in andere Wolken getaucht. Ja, so ist das mit all dem Leben, das ich am Him­mel sehen kann. Ich liege da und träume und das Schiff brummt unter meinem Rück­en und manch­mal schaue ich zu meinen kleinen Füssen hin und wack­le mit den Zehen. Stellen Sie sich vor, ich habe sie bemalt, nein, ganz sich­er, ich habe sie bemalt, und ich glaube nicht, dass ich Ihnen noch erzählen muss, warum ich sie bemalt habe. Er wird schon noch vor­bei kom­men, jawohl, ich bin mir sich­er, bald wird er nach mir sehen, wird zaghafte Blicke auf meine Füße wer­fen und sofort wer­den sie sich erwär­men, nein, glühen wer­den sie, und ich werde meine Strümpfe und Schuhe in die Hand nehmen und hof­fen, dass nie­mand mich so sehen wird, wie ich neben ihm laufe, bar­fuss, obwohl doch vor weni­gen Tagen noch Eis­berge im Wass­er trieben. Er kommt ger­ade, mein klein­er Stew­ard, kommt ger­ade die Treppe her­auf. Ich kenne die Geräusche sein­er Schritte. Ich habe Fieber, Mr. Louis, ich habe Fieber, und manch­mal denke ich, dass ich all das hier nur träume, das Schiff, die Wolken, meinen tapfer­en Vater, meine immerzu weinende und eben­so tapfere Mut­ter, die Eis­berge und Del­phine, und dass ich ver­liebt bin, all das nur träume. Aber wer kön­nte in einem Traum noch so kräftig mit den Zehen wack­eln, dass selb­st die Möwen von der Rel­ing flücht­en? — Ich grüße Sie her­zlich! Ahoi! Ihre Geral­dine auf hoher See.

notiert im Jahre 1962
an Bord der Queen Mary
aufge­fan­gen am 2.02.2009
22.15 MEZ

geral­dine to louis »

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