innenohrmuscheln

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echo : 6.22 — Lud­wig, der mich gestern Abend besuchte, hat­te einen kleinen Rausch mit­ge­bracht, an dem wollte er vora­nar­beit­en. Er hat­te darum eine Flasche bil­li­gen Cognacs in eine Papiertüte gesteckt, um sie den Abend über an seinem Bauch zu wär­men. Wenn er ab und zu einen Schluck aus der Flasche nahm, machte er seine Augen zu Schlitzen, er kon­nte dann nicht mehr sehen, obwohl er eigentlich nichts schmeck­en wollte. Es war ein lustiger Abend, ein­mal schlief Lud­wig ein im Bad, ich weck­te ihn und führte ihn zurück in die Küche. Das war gegen 22 Uhr gewe­sen. Ich kon­nte zu diesem Zeit­punkt keine Beweise dafür find­en, dass Lud­wig mir noch immer zuhörte oder mich über­haupt noch hören kon­nte. Aber sich selb­st schien er noch wahrnehmen zu kön­nen. Wörter ent­gleis­ten, die Sätze, die seine Geschicht­en erzählten, waren jedoch mit­tels Kom­bi­na­tion ver­ständlich. Um kurz vor Mit­ter­nacht berichtete Lud­wig von ein­er Frau, die er ein­mal liebte. Sie wohnte lange Zeit in Liss­abon, was sie dort machte, wovon sie lebte, wusste Lud­wig nicht zu bericht­en, aber dass sie über beson­dere Ohren ver­fügte. In ihren Ohrmuscheln links und rechts sollen sich weit­ere kleine Ohrmuscheln befind­en, exakt in der sel­ben Form angelegt, nur eben klein­er. Aber nicht genug damit, wenn man mit ein­er Taschen­lampe in die Innenohrmuscheln der Frau leuchtete, waren ein weit­eres Paar noch kleiner­er Ohrmuscheln zu ent­deck­en. Das war eine sehr sel­tene atom­is­che Erschei­n­ung. Als ich wis­sen wollte, wie sich Lud­wig implizierte Muschelfo­ma­tio­nen erk­lärte, war der ver­liebte Mann bere­its eingeschlafen. Er saß vor meinem Küchen­tisch, die Flasche war geleert, der Kopf auf seine schmale Brust gesunken, so schlief er, ohne vom Stuhl zu fall­en. Als ich am frühen Mor­gen die Küche betrat, saß er noch immer in dieser Hal­tung am Tisch. Beina­he hätte ich ihn für ein Kunst­werk gehal­ten, für eine bek­lei­dete Gips­fig­ur: Trink­ender Fre­und. Aber Lud­wig atmete. Der Atem war flach. Es war ein Atem, der ger­ade noch zum Leben reichte. Ich musste Lud­wig weck­en, ich musste ihn weck­en, um nicht schuldig zu wer­den. – Guten Mor­gen. Es ist Mon­tag. — stop
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