lichtluftnetz

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india : 2.05 — Ich habe das Haus ver­lassen. Es ist Nacht. Der Wind raschelt in den Blät­tern der Kas­tanien­bäume. Ger­ade eben ist die let­zte Straßen­bahn des Abends an mir vorüber gefahren, ein leeres Gehäuse, nur der Fahrer war zu sehen gewe­sen. Ich sitze in einem Häuschen ein­er Hal­testelle, weil ich nach ein­er Erschei­n­ung suche. Ich halte meinen kleinen Com­put­er in der einen Hand, mit der anderen navigiere ich den Mauszeiger über den Bild­schirm, auf dem schon ein paar zarte, staubige Fal­ter sitzen. Wenn ich die Anweisung gebe, Net­zw­erkverbindun­gen anzuzeigen, die sich in mein­er Nähe befind­en, ist da eine, die einen beson­deren Namen trägt: Lichtluft­netz. Dieses Net­zw­erk existiert seit unge­fähr drei oder vier Wochen. Es ist mit­tels eines Pass­wortes geschützt. Irgend­je­mand muss also das Wort Lichtluft­netz als Beze­ich­nung für ein neues Net­zw­erk eingegeben haben. Eine feine Erfind­ung. Wenn ich auf und ab gehe, kann ich sehen, dass sich die Sig­nal­stärke des Net­zw­erkes ver­ringert oder ver­größert, ein nicht sehr stark­er Sender. Ich hat­te für einen Moment die Idee, dass vielle­icht über mir in den Bäu­men eine Per­son mit einem Com­put­er heim­lich wohnen kön­nte. Ich habe, man wird mich vielle­icht für ver­rückt erk­lären, gerufen: Hal­lo! Ist da jemand? Bish­er  war mein Rufen verge­blich gewe­sen. Und so sitz ich nun ganz still und ver­suche, mich mit jen­em Net­zw­erk in Verbindung zu set­zen. Ich habe den Ver­dacht, dass ich bere­its beobachtet werde. Es ist eine wirk­lich schöne Nacht. So friedlich. — stop
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