malta : carmelite church

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delta : 22.07 – Als er mich über die Straße kommen sieht, erhebt sich der alte Mann von dem Stuhl vor der Tür seines Hauses. Sofort, schon von Weitem, hat er mich wieder­erkannt, viel­leicht an dem roten Pull­over, den ich über meinen Schul­tern trage oder an meinem Gang. Jetzt folgt er mir grußlos in die Kirche an der Old Mint Street, deren Kuppelbau die Silhou­ette der Stadt Valletta weithin prägt. Gestern noch haben wir ein kleines Gespräch geführt vor dem Gottes­haus, das dem alten Mann kostbar zu sein scheint, ein Ort, den er zu schützen versucht, vor Personen wie mir beispiels­weise, die kommen und gehen wie sie wollen, ohne je einmal zu fragen, ob es statt­haft sei, an diesem heiligen Ort zu foto­gra­fieren. Jetzt will er mich prüfen, will mein Verspre­chen genauer, das ich gegeben habe, prüfen, ob ich es einhalte, ob ich glaub­würdig sei. Und so sitze ich bald unweit des Altars, der alte Mann ein paar Reihen hinter mir, und über­lege, ob es möglich sein könnte, in dieser Kirche ein Aqua­rium zu errichten, ein Glas­ge­häuse von enormer Größe, in dem Kiemen­men­schen schweben und somit in der Lage sein würden, an heiligen Feiern unter Lungen­men­schen teil­zu­haben. Lange Zeit sitze ich fast bewe­gungslos, dann beginne ich einige Sätze in mein Notiz­buch zu schreiben, fertige eine Zeich­nung an, einen Grund­riss in etwa, der Kirche und einiger Posi­tionen, da ein Aqua­rium zu errichten sinn­voll wäre. Und wie ich so leise vor mich hin arbeite, kaum wage ich zu atmen, höre ich, wie der alte Mann hinter mir sich erhebt, er kommt an mir vorüber, bleibt einige Minuten in meiner Nähe stehen, verbeugt sich bald vor dem Altar und verlässt die Kirche durch einen Seiten­ein­gang. – Sonntag. Ich habe heute Bäume entdeckt, die mit ihren weichen Blät­tern selt­same Nüsse bebrüten. – stop

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