morgens

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bamako : 16.52 UTC — Mut­ter vor Jahren, wie sie aus dem Haus tritt. Es ist früher Mor­gen, vielle­icht Okto­ber, Nebel. Sie trägt einen Mor­gen­man­tel, der noch immer in ihrem alten Haus im Badez­im­mer an einem Hak­en hängt. Sie bückt sich nach der Zeitung, schliesst die Haustür, geht langsam, etwas unsich­er bere­its, zum Wohnz­im­mer­tisch, legt die Zeitung auf ihm ab.  Wenige Schritte ent­fer­nt wartet eine Tasse Kaf­fee. Die holt sie jet­zt. Sie set­zt sich vor die Zeitung und begin­nt ihre eigene Zeitung herzustellen. Das ist ein Vor­gang, der eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nehmen kann. Um ihre eigene Zeitung her­stellen zu kön­nen, muss sie die angelieferte Zeitung Seite um Seite betra­cht­en. Sobald sie eine Seite ent­deckt, auf welch­er ein Artikel sich befind­et, den sie zu lesen wün­scht, tren­nt sie die Seite vor­sichtig von allen weit­eren Seit­en, fal­tet sie und legt sie zur Seite. In dieser Weise enste­ht nach und nach ein klein­er Stapel von Zeitungs­seit­en, die die alte Dame nach und nach lesen wird. Sie geht spazieren, sie geht einkaufen mir ihrem Wägelchen von schot­tis­chem Muster­stoff, sie tele­foniert mit ihren Fre­undin­nen und sie sam­melt Blät­ter im Garten und grüsst die Fis­che, die sich bere­its auf den Win­ter vor­bere­it­en. Indessen, immer wieder ein­mal, enfal­tet sie eine der Seit­en ihrer Zeitung, um sie zu lesen. Dann ist Abend gewor­den. Unter der Lek­türe ein­er der let­zten Zeitungs­seit­en schläft sie ein im Bett, das in ihrem alten Haus noch immer ste­ht, wie auch die Nacht­tis­chlampe und ihre Büch­er, ein Turm, die sie vor hat­te zu lesen. — Im Haus der alten Men­schen, dort wo über die Flure Roll­stüh­le fahren, dort wo Mut­ter nun lebt, existieren wed­er Zeitun­gen noch Büch­er. Ich habe das genau so beobachtet. — stop

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