sommernachmittag

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charlie : 6.24 – Einmal, vor ein oder zwei Jahren, saß ich einige Stunden lang an der Seite meines Vaters vor seinem Schreib­tisch. Wir sahen Notizen durch, die er seit der Studi­en­zeit auf Zetteln nieder­legte. Da waren nun Zettel aus jüngerer Zeit gewesen und Zettel, die er bereits vor 10 oder 20 Jahren notierte, Adressen, Tele­fon­num­mern, Verzeich­nisse, auch philo­so­phi­sche Bemer­kungen, Formeln, Pass­wörter. Wir versuchten gemeinsam zu unter­scheiden, was noch wichtig war und was viel­leicht zur Seite gelegt werden konnte. Mein Vater kämpfte an diesem Tag des Sortie­rens um jeden einzelnen seiner Zettel. Wenn ich das Zimmer einmal kurz verlassen hatte, um Milch oder Tee zu holen, konnte ich vom Flur her sehen, wie sich seine rechte Hand bemühte, Zettel, die wir dem Verschwinden über­eignet hatten, in die Abtei­lung UNVERZICHTBAR zurück­zu­holen, ein lustiges Spiel. Ich setzte mich bald zurück an den Tisch und wir taten beide so, als ob in der kurzen Zeit meiner Abwe­sen­heit nichts geschehen wäre. Draußen vor dem Fenster regnete es ohne Unter­bre­chung. Wir spra­chen wenig. Immerzu bewegte ich mich zu schnell. Manchmal schlief mein Vater ein. Das war an einem Sommer­nach­mittag gewesen. – stop
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