suspense

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gink­go : 0.55 — Im forschen­den Gespräch mit Tai­ni*. Vor einiger Zeit hat­te sie auf meine Frage hin, ob sie sich jet­zt, da sie schon viele Jahren in Europa lebt, als Europäerin wahrnehmen würde, geant­wortet, sie sei doch eher noch immer eine Indi­aner­in und das würde sich wohl niemals ändern, schon deshalb nicht ändern, weil ihre Gesicht­szüge, weil das tiefe Schwarz ihres Haares und ihre äußerst zier­liche Gestalt sie an ihren Ursprung täglich erin­nerten. Ich sehe mich, sagt sie, ja, ich sehe mich! Wie sie jet­zt lachend erzählt, dass sie einst schle­ichend ihre Sprache ver­loren habe, die ver­botene Sprache ihrer Kind­heit, und dass sie nun die Sprache jen­er Män­ner denken und sprechen würde, vor welchen sie sich als Mäd­chen in die Bäume flücht­en musste. Langsam for­muliert sie, Wort für Wort, betra­chtet auch dann, wenn ich sie nicht anse­he, mein Gesicht, indem ich notiere, was sie erzählt. Sel­ten wirft sie einen Blick auf das Notizbuch, das neben der Ton­band­mas­chine auf dem Tisch zwis­chen uns liegt, macht manch­mal eine Kopf­be­we­gung, die bewirkt, dass ich mein Werkzeug herum­drehe, damit sie sehen kann, was ich aufgeschrieben habe. Deine Schrift ist nicht zu lesen, bemerkt sie und schüt­telt amüsiert den Kopf, vielle­icht weil ich noch immer nicht gel­ernt habe, so zu schreiben, dass sie meine Gedanken entz­if­fern kön­nte. Also lese ich ihr vor, zum Beispiel die Frage, wie Ameisen schmeck­en oder das Stich­wort Schule. Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Schul­t­ag erin­nern? Ihr Schweigen. Eine anmutige, in sich suchende Erschei­n­ung. Du musst eine span­nende Geschichte daraus machen, sagt sie ein­mal. Ihr Blick, als ich sie frage, was sie denn unter ein­er span­nen­den Geschichte ver­ste­hen würde.

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