von nelken

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echo : 6.10 – Ich beob­ach­tete eine alte Frau, wie sie unter einem Regen­schirm im Garten kniend Nackt­schne­cken von Nelken­blumen pflückte. Neben sich hatte die alte Frau einen kleinen Eimer abge­stellt, der sich nach und nach mit Schne­cken­kör­pern füllte. Heftiger Regen. Ich konnte den Regen hören, wie er auf den Schirm der alten Frau trom­melte. Und ich hörte eine helle Stimme, die mit sich selbst oder zu den Schne­cken sprach. Immer wieder einmal stand die alte Frau vorsichtig auf, um in ihr Haus zurück­zu­kehren. Sie klopfte dann ihre Schuhe ab, stand hinter dem Fenster, schaute in den Garten und wartete bis weitere Schne­cken ohne Häuser in die Nähe ihrer Nelken gekommen waren. Diese Schne­cken reisten nicht von der Seite her an, sondern kamen tatsäch­lich von unten aus dem erdigen Boden herauf. Waren es wieder viele Schne­cken geworden, kehrte die alte Frau zurück in ihren Garten und erneut hörte ich den Regen und eine helle Stimme. Ich hatte bald den Eindruck, diese Schne­cken, die unab­lässig aus dem Boden stiegen, könnten rein aus etwas Haut und klarem Wasser bestehen, es waren derart viele, dass sie ganz einfach zunächst sehr kleine Wesen sein mussten, die sich zu ihrer vollen Entfal­tung mit Wasser füllten sobald es regnete. Nach drei Stunden war der Eimer gefüllt und die alte Frau deckte ihn mit einem Koch­topf­de­ckel zu, holte aus dem Haus einen weiteren Eimer, der etwas größer gewesen war, als der erste Eimer. Es dämmerte, dann war es dunkel, und als es richtig dunkel geworden war, finster, kehrte die alte Frau mit einer Taschen­lampe in den Garten zurück. Sie trug jetzt Gummi­stiefel an den Füßen und ein Nacht­hemd und es regnete noch immer. – stop

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