atem

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tan­go : 6.52 — In der ver­gan­genen Nacht von 2 bis 3 Uhr habe ich mir eine Pas­sage der Kleinen Erin­nerun­gen José Saramago’s laut vorge­le­sen, und zwar in der Art und Weise langsamen Ausat­mens. Das ist fol­gen­der­maßen vorzustellen: Ich fasste das erste Wort der ersten Zeile des kleinen Textes ins Auge, schöpfte Luft so tief ich kon­nte und begann zu lesen. Ich sprach zunächst laut: Manch­mal frage ich mich, ob bes­timmte Erin­nerun­gen wirk­lich meine eige­nen sind oder vielle­icht eher fremde, in denen ich unbe­wusst mit­ge­spielt habe. Ich las solange ich kon­nte, ich las ohne zu atmen, ich las bis ich alle Luft ver­loren hat­te. Im ersten Ver­such kam ich 11 Zeilen weit. Das war natür­lich nicht befriedi­gend. Also set­zte ich noch ein­mal von vorne an, ich hat­te eine entspan­nte Posi­tion des Sitzens ein­genom­men und füllte meine Brust mit Luft und begann zu sprechen. Dies­mal las ich mit leis­er Stimme wie geflüstert. Ich kam exakt 1 Zeile, also 55 Zeichen weit­er. Kurz darauf war zu beobacht­en gewe­sen, wie ich mich rück­lings auf mein Sofa legte und densel­ben Text noch ein­mal hauchte. Das liegende atem­lose Lesen ermöglichte nun eine weit­ere Zeile a 55 Zeichen. Ich machte also kleine Fortschritte in dieser Kun­st des Lesens, ich ver­mochte bald die Zeile 14 des kleinen Textes zu erre­ichen in einem Zus­tand, da ich Wort für Wort noch mit­denken kon­nte. Nach ein­er Stunde des Übens hörte ich für diese Nacht auf, um in der kom­menden Nachtzeit fortz­u­fahren. – stop
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