erfundene fotografie mit kamelen

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delta : 0.22 – Kamele sind Tiere, die ich schon immer mochte. Sie erscheinen mir vertraut, als hätte ich einen Teil meines Lebens unter Kamelen zuge­bracht. Ihre großen Augen, die leicht aus dem Kopf hervor­stehen, ihr samtig ledriger Mund, ihr Geruch, ihr warmer Bauch, das weiche dichte Fell. Ich erin­nere mich, dass man mir vor langer Zeit einmal erzählte, ich sei während meiner Besuche mit meinem Vater im zoolo­gi­schen Garten immer wieder gern bei den Kamelen gewesen. Auch soll mein Vater mich auf den Schul­tern getragen haben, während ich seinen großen Kopf mit meinen kleinen Armen umfasste. Merk­würdig ist, dass ich mich an keine Foto­grafie erin­nere, die mich dort oben als einen stolzen Reiter zeigt, vermut­lich deshalb, weil mein Vater vor Jahren der einzige Foto­graf der Familie gewesen war. Es exis­tieren über­haupt nur wenige frühe Bilder, die ihn und mich gemeinsam zeigen. Und so habe ich nun folgendes probiert. Ich habe eine Foto­grafie in meinem Kopf illu­mi­niert, ein Doku­ment, das nie exis­tierte und doch sehr wirk­lich werden könnte, wenn ich nur lange genug daran arbeite. Das Doku­ment ist eine schwarz­weiß Aufnahme. Sie zeigt einen Mann in weiten dunklen Hosen mit hellem Hemd, das ist mein Vater. Auf seinen Schul­tern sitzt ein kleiner Junge, auch er trägt ein helles Hemd, Sandalen und kurze Leder­hosen, das bin ich. Über uns verzweigt sich ein Ulmen­baum. Es ist ein mäch­tiger Baum. In seinem Schatten hinter einem Zaun stehen zwei Kamele, sie schauen uns an. Da ist noch ein Flamin­go­vogel, hung­rige Gestalt, der auf einem Bein mitten auf dem Spazierweg steht. Das sieht alles schon sehr gut aus, finde ich. Ich habe mir dieses Bild vorge­stellt, bis ich es so genau vor mir sehen konnte, dass ich es auf einem vorge­stellten Tisch drehen und wenden könnte. Mein Vater, den ich jetzt in dieser Weise sehen kann, war ein junger Mann, der lachte. Er zeigte in die Rich­tung der Kamele. Und auch ich zeigte mit einem Finger in die Rich­tung der Kamele und auch ich lachte. Es war Sommer. – stop
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