kamelschnellbahngeschichte

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marim­ba : 6.28 UTC — Der junge Mann, der mir eine Geschichte von Kame­len erzählt, ist 22 Jahre alt. Er trägt ein leuch­t­end blaues Hemd, das sieht an ihm sehr gut aus, weil seine Haut­farbe dunkel ist, weil er ein Mann ist, der tat­säch­lich aus Afri­ka kommt, der aus Afri­ka geflüchtet ist, obwohl er ganz sich­er nicht aus Afri­ka flücht­en wollte. Wäre er nicht aus der Not her­aus geflüchtet mit Zügen und Bussen und zwei Flugzeu­gen, dann wäre er jet­zt tot. Weil er nicht tot ist, sitzt er mit mir in ein­er Schnell­bahn und wir sprechen kurz über sein Land, das ich unbe­d­ingt ein­mal besuchen werde, wenn es dort so sein wird, dass man mich nicht sofort umbrin­gen wird. Der junge Mann kommt aus Soma­lia, sein Groß­vater hütete Kamele. In sein­er Kind­heit trank er immer viel Kamelmilch. Es gibt, sagt er, nichts Gesün­deres auf der Welt als Kamelmilch. Sie schillert nicht wie die Milch der Kühe, sie ist etwas bit­ter und süß zur gle­ichen Zeit. Er sagt noch, dass er ger­ade sein Geld zäh­le, er wolle nach Afri­ka reisen. In Afri­ka angekom­men werde er soviel Kamelmilch trinken, wie in seinen kleinen Bauch über­haupt jemals hinein passen wird. Und jet­zt ist die Schnell­bahn am Ziel, und der junge Mann steigt aus. Ich seh noch seine Hand, wie sie mir winkt über die Köpfe der Pendler­men­schen hin. — stop

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