kaukasus : unsichtbare fotografie

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sierra : 2.08 – Okto­ber­licht, das auf eine Straße fällt. In der Mitte dieser Straße liegt eine junge Frau auf dem Rücken. Sie liegt, als würde sie bald schlafen, die Beine von sich gestreckt. Eine blaue Bluse. Gelbe Turn­schuhe. Jeans. Da und dort segelt ein Schatten unter der Haut ihrer Wangen, und doch ist das Gesicht ein schnee­weißes Gesicht mit einem roten, blühenden Mund. Augen, die halb geschlossen sind. Unend­lich müde blaue Augen oder doch eher unend­lich müde dunkle Augen, ja, doch eher dunkle Augen, das Blau der Bluse irrt auf ihrem Gesicht herum. Auch ihre Hände sind weiß und etwas blau. Eine Hand liegt auf der Straße, die andere Hand auf dem Bauch der jungen Frau. Hände, die etwas planten viel­leicht, Hände, die ange­halten wurden oder aufge­halten, in dem man die Zeit im Körper der jungen Frau stoppte oder löschte. Ja, kühl muss sie sein, kühl geworden, ohne jedes Lebens­feuer, wie sie so auf der Straße liegt. Kein Blut weit und breit. Nur ihr Mund, der blüht, weil die Farbe nicht ihre Farbe ist im Stern­licht auf einem Gesicht ohne Namen. Man darf das Gesicht jetzt foto­gra­fieren von allen Seiten. Also foto­gra­fiert man das Gesicht von allen Seiten. Man darf jetzt schreiben, die junge Frau sei aus dem Süden gekommen, vom Kaukasus her. Also schreibt man, die junge Frau sei aus dem Süden gekommen, vom Kaukasus her. Eine weite Reise, ihre Reise nach Moskau. Dort liegt sie jetzt. Eine Bombe. Sie soll eine lebende Bombe gewesen sein. Welche Schule besuchte sie? Was hatte sie erlebt? Schwarzes Haar.
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