kühle augen

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nord­pol : 6.32 — Gestern am späten Abend wohnte ich via Inter­net ein­er Hin­rich­tung bei. Fünf Män­ner wur­den erschossen und zwar in Alep­po auf offen­er Straße. Es waren Rebellen, die das Feuer auf Gefan­gene eröffneten. Sie riefen: Gott ist groß! Gott ist groß! Als die Per­so­n­en, es sollen Ange­hörige ein­er berüchtigten, mor­den­den und foltern­den, regierungstreuen Miliz gewe­sen sein, längst tot gewe­sen waren, wurde noch immer auf sie geschossen, als wollte man die Kör­p­er vor der Hauswand zu Staub zer­legen, den der Wind mit sich fort tra­gen kön­nte. Rechts neben dem ger­ade erwäh­n­ten Film­doku­ment von zwei Minuten Länge, war die Exis­tenz weit­er­er Filme in Vorschau zu sehen, darunter der Bericht eines nor­damerikanis­chen Fernsehsenders über die chirur­gis­che Rekon­struk­tion eines schw­er ver­let­zten Gesicht­es. Ein Kan­ni­bale hat­te im Staate Louisiana Nase, Mund und Augen eines Mannes ver­speist. Der arme Mann war kurz darauf noch am Leben gewe­sen und wurde nun von zwei Schwest­ern behut­sam über den Flur eines Kranken­haus­es geführt. Auch diesen Film habe ich mit kühlen Augen betra­chtet. Dann war Mit­ter­nacht vorüber und ich spazierte ein wenig durchs Vier­tel. Katzen waren unter­wegs, die mit ihren Schein­wer­fern nach mir leuchteten. Im Park um die Ecke wur­den Feigen und Dat­teln gebrat­en. Ein süss­milder Nebel­duft hing in der Luft. Ich saß eine halbe Stunde auf ein­er Bank und beobachtete Bäume, ob sie vielle­icht nachtwärts arbeit­en, der ein oder andere. – stop

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