kurz nach mitternacht

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echo : 1.28 – Um kurz nach Mitter­nacht öffnete ich ein Fenster. Sofort fühlte ich, dass ich beob­achtet werde. Tatsäch­lich saß rechts an der noch warmen Wand des Hauses eine sehr kleine, viel­leicht junge Spring­spinne. Ich habe das Licht ihrer Augen wahr­ge­nommen oder eine Bewe­gung. Sie duckte sich, als ich mich näherte, aber sie flüch­tete nicht. Ich konnte mir dieses Verhalten zunächst nicht erklären, dann hatte ich die Idee, dass die Spinne mich viel­leicht kennt. Mögli­cher­weise wurde ich schon drei oder vier Wochen lang beob­achtet, ohne die Beob­ach­tung der Spinne bemerkt zu haben. Vermut­lich war die Spinne, als sie meiner Gestalt zum ersten Mal ansichtig wurde, sofort geflüchtet. Ich stelle mir vor, sie könnte sich in die Tiefe gestürzt haben, wo sie im Garten von einem Löwen­zahn­blatt aufge­fangen wurde. Am folgenden Tag machte sich die Spinne wieder auf den Weg nach oben. Sie wird vermut­lich in Etappen gewan­dert sein, zwei oder drei Tage, dann wieder Nacht, das Warten auf zarte Falter, auf süßes, flie­gendes Fleisch. Ein warmer Wind. Ein Fenster, das sich öffnet. Wiederum Flucht in die Tiefe, erneuter Aufstieg, mühsam und schmerz­voll, hinauf wo der riesige Vogel wohnt, wo das Licht ist, der warme Wind, das Fenster, Flucht nun aber zu Fuß, nur ein oder zwei Meter abwärts und wieder zurück. Es ist erstaun­lich. Von alledem habe ich nichts bemerkt. Zurück an die Arbeit. In dieser Nacht lasse ich das Fenster geöffnet. Benny Goodman spielt Live at Carnegie Hall. Ich sitze und warte. – stop

polaroiddowntown

 

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