malta : 81er bus

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echo : 22.05 – Sagen wir das so: Ich bin heute, an diesem son­ni­gen Mon­tag mit dem Bus hin und her übers Land gefahren, mit einem 81er Bus, mit Luca’s Bus, und zwar die Strecke von Val­let­ta nach Rabat bis rauf zu den Dingli Cliffs, von wo man weit aufs Meer hin­aus süd­wärts nach Afri­ka schauen kön­nte, wenn die Erde nicht rund wäre wie wir sie vorge­fun­den haben. Luca ist ein Bus­fahrer aus Lei­den­schaft. Er trägt ein blaues Hemd, seine Arme sind gebräunt wie sein Gesicht, rechts, von wo die Sonne kommt, etwas stärk­er als von links. 47 Cent kostet eine ein­fache Fahrt nach Rabat. Jed­er, der hereinkommt, wird begrüßt: Wel­come, wel­come! Dann 15 Kilo­me­ter stetig dem Him­mel zu, links und rechts der Straße, Spuren von Weizen, Tomat­en, Kartof­feln, Inseln blühen­der Blu­men, Mohn und Margeriten und Lin­ien von Kak­teenpflanzen, als seien Meereswellen zu fleis­chi­gen Blat­tkör­pern gefroren für alle Zeit. Da und dort ein Dorf, Büsche, Orangen­bäume, Win­dräder, Funkan­ten­nen. Nach ein­er Stunde kommt man dann an in Rabat oder Mdi­na, man weiß jet­zt, dass man über einen Knochenkör­p­er ver­fügt, und man ahnt, dass Luca seinen Weg noch find­en würde, wenn er ein­mal blind gewor­den sein sollte. Luca sam­melt Marien­bilder wie ich Über­raschun­gen samm­le, Momente wie diesen, da Luca bemerkt, dass ich nicht aussteigen, dass ich wieder mit ihm zurück­fahren werde, dass der Bus und er selb­st für mich bedeu­ten­der sind, als Orte und Land­schaft, die wir durchreisen. Jet­zt darf ich ihn fotografieren und sein Arma­turen­brett, Diesel, Diesel! Und ich darf ihm eine Frage stellen, ich wollte näm­lich wis­sen, ob es für ihn denkbar ist, seinen Bus ein­mal bis hin unter die Decke mit Wass­er zu füllen, ob er sich vorstellen könne, mit einem Bus voll leben­der Fis­che über Land zu fahren. Luca’s Hupe, eine Luft­trompete.

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