nabou’s zunge

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echo : 5.12 – Nabou*, ja, Nabou, Frau aus dem Süden, wie sie nachts vor einer Tasse Kaffee am Flug­hafen in groß­zü­gigen Sprüngen durch die Zeit erzählt. Das Barfuß­mäd­chen Nabou, für Minuten ist sie wieder zum Flücht­lings­kind geworden, erin­nert, fins­teres Gesicht, einen suda­ne­si­schen Herr­scher, jenen Herrn, der Bars einer Stadt räumen und den Alkohol in den Nil schütten ließ. In der selben Stadt, nur wenige Stunden später, wurden im Namen des selben Mannes, Hände von Armen geschlagen für dies oder das zur Strafe. Das Feuer in den Augen der Erzäh­lerin, wie sie berichtet von einer Zeit, da musli­mi­sche und christ­liche Kinder noch gemeinsam die Schule besuchten und heira­teten kreuz und quer. Undenkbar heute, undenkbar, raschelt Nabou mit ihrer seltsam rauen Stimme, alle Menschen, wo auch immer, rücken nach rechts. Dann dieser verdammte Abend als Nabou eine bosni­sche Freundin besucht. Man sitzt mit Familie in Mittel­eu­ropa um einen Tisch, es ist kurz vor Weih­nachten. Die Attacke auf den christ­li­chen Glauben kommt ohne Vorbe­rei­tung während der Nach­speise. Als Nabou sich als Christin zu erkennen gibt, das Staunen der Freundin: Aber Ihr habt doch ein Glas Wasser neben der Schüssel im Bad, und Du, Nabou, sprichst die arabi­sche Sprache! Wie von diesem Moment an das Gespräch zu Ende war. Verkno­tete Zungen, sagt Nabou, nach all den trauten Jahren, verkno­tete Zungen.

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