nachtmann

2

lima : 3.28 — Seit Jahren, Nacht für Nacht gegen drei Uhr, höre ich das Pfeifen eines Zeitungs­boten, der auf einem Fahrrad von Osten her in unsere Straße kommt, um nach ein­er Schleife von weni­gen Minuten, die ihn west­wärts führt, wieder zu ver­schwinden. Ich bin ihm in dieser lan­gen Zeit nie per­sön­lich begeg­net, und ich kann auch nicht mit Sicher­heit sagen, welche Zeitung er in die Briefkästen unseres Haus­es steckt. Ein einziges Mal habe ich neugierig aus dem Fen­ster gespäht, ich erin­nere mich an eine bit­terkalte Nacht. Die Gestalt des Mannes war weit unten weit ent­fer­nt zu sehen gewe­sen, er trug eine Wollmütze, Hand­schuhe und eine Led­er­jacke, das ist vielle­icht der Grund, weshalb er auch in heißen Som­mernächt­en in meinen Augen weit­er­hin eine Wollmütze trägt und pfeift, weil ihm möglicher­weise kalt ist und ein­sam. Es ist selt­sam, in all den Jahren sein­er Gegen­wart in meinem Leben, scheine ich keinen weit­eren Gedanken zu sein­er Per­son hinzuge­fügt zu haben, als wäre der Mann eine abgeschlossene Geschichte, die sich exakt wieder­holt. Plöt­zlich, vor weni­gen Minuten, die Frage, ob der Mann eventuell in der Zeitung liest, die er zu den schlafend­en Men­schen bringt, und ob ihm nicht manch­mal deshalb unheim­lich zumute sein kön­nte. — stop

ping

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top