radio

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echo : 15.05 — Ich war ein­mal Besitzer eines Radios mit elek­trischem Auge. Sobald ich auf einen Knopf drück­te, glühte das Auge zunächst däm­mernd, dann leuchtete das Auge grün wie das Wass­er eines Bergsees und ich hörte selt­same Stim­men und Rauschen und Pfeifen. Das Radio war ein sehr gutes Radio. Es existierte seit dem Jahre 1952, war also viel älter als ich selb­st und musste nie zur Reparatur gebracht wer­den. Nur ein­mal hüpfte eine Taste her­aus und das Radio sah for­t­an aus, als habe es einen Zahn ver­loren. An einem sehr heißen Julitag des Jahres 1974 saß ich ger­ade vor dem Radio ohne Zahn, als gemeldet wurde, Fallschir­mjäger seien über Zypern abge­sprun­gen. Von einem Kon­flikt war die Rede und das Auge des Radios leuchtete dazu und die Mem­bran seines Laut­sprech­ers zit­terte. Ich erin­nere mich, dass ich dachte, dass nun Krieg sei, ein wirk­lich­er Krieg, der erste Kriegs­be­ginn, den ich als Wellen­empfänger miter­lebte. Irgend­wann ver­schwand das alte Radio und ich bekam ein neues Radio. Dieses Radio kon­nte Geräusche spe­ich­ern, und so spe­icherte ich Geräusche, sin­gende Frösche vielle­icht, oder meine Stimme, die mich befremdete, die nie meine eigene Stimme gewe­sen war, son­dern immer die Stimme eines anderen, der ähn­liche Dinge sagte. Bald machte ich mit ein­er weit­eren Mas­chine Filme, nein, ich zeich­nete Filme auf ein Band, den Film der Stadt Bag­dad an einem Vorkriegsmor­gen zum Beispiel. Die Sonne strahlte vom Him­mel, und ein Vogel, der nicht zu sehen war, zwitscherte. Vielle­icht saß der Vogel auf ein­er gepanz­erten Kam­era, die das Bild der leuch­t­en­den Stadt zu mir hin übertrug. Dieser Vogel war noch Radio gewe­sen. — stop

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