stehen … schlafen

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nord­pol : 3.08 — Wenn man ein Hotel für Stehschläfer betritt, ist das meis­tens spät in der Nacht, alle weit­eren Hotels, welche geeignet wären, im Liegen zu schlafen, sind aus­ge­bucht. Auch mit kleineren Spenden, die man gerne offeriert, weil man müde ist, weil man keinen weit­eren Schritt zu tun in der Lage zu sein glaubt, war an den Rezep­tio­nen nichts zu machen. Jet­zt ist man also hier, wo man sehr preiswert in Schlaf­spin­den oder ganz ein­fach an Wän­den lehnend schlafen kann. Das Beson­dere an einem Hotel für Stehschläfer ist, dass sich das Per­son­al um schlafende Gäste auch dann noch bemüht, wenn das Licht längst aus­geschal­tet ist. Gurte, welche zur Sta­bil­ität um Ober,- und Unter­schenkel gewick­elt sind, wer­den straff gehal­ten, fal­l­ende Per­so­n­en wieder aufgerichtet. Auch für einen tiefen Schlaf wird gesorgt, wie das gemacht wird, davon sollte ich nicht erzählen, nicht das leis­es­te Wort, nie­mand will das wirk­lich wis­sen, selb­st die Schlafend­en nicht. Man schläft behütet, man schläft solange man will, eine Stunde oder eine Nacht oder mehrere Tage. Sobald man nun erwacht, nimmt man seinen Kof­fer vom Boden auf und geht ganz ein­fach davon. Es ist schon ein merk­würdi­ger Anblick, hun­derte Men­schen, die ent­lang der Wände eines Saales neben ihren Kof­fern ste­hen. Manche sprechen, andere sin­gen leise im Schlaf. Vögel fliegen umher oder sitzen auf den Schlafend­en selb­st, die sich nicht rühren, obwohl sie noch leben. Irgend­wo muss ein Fen­ster offen ste­hen. Ein leichter Wind geht. Ich höre das Horn eines Schiffes, aber ich bin mir nicht sich­er, ob das Schiff wirk­lich existiert. Für einen Moment wird es hell wie am Tag, als ob die Sonne mir direkt ins Auge leuchtet. Eine Hand fährt über meine Stirn, ich höre ein Flüstern, ich meine gehört zu haben, wie jemand sagte: Er ist schon vier Wochen hier, wir müssen ihn weck­en oder baden. Ja, irgend­wo muss ein Fen­ster offen ste­hen. Ein leichter Wind. — stop

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