von magnetbändern

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lima : 0.06 UTC – Einmal, vor langer Zeit, traf ich einen Freund. Seine Frau war kurz zuvor gestorben. Wir saßen in einem Café im bota­ni­schen Garten. Mein Freund erzählte von der Seefahrt als junger Mann in Maschi­nen­räumen, von himmel­blauen finni­schen Winter­nächten, Polar­lich­tern, Kerzen. Seine Trau­rig­keit an diesem Tag, weil er einsam geworden war, weil er sein eigenes Altwerden spürte. Er erzählt von den letzten Tagen seiner Frau. Wie sie aufräumte in der Wohnung, wie sie Bücher beschrif­tete, dann wieder ins Kran­ken­haus, in Sicher­heit, aber ohne zu viel Morphium, um nicht einzu­schlafen. Die letzten 30 Stunden war sie dann doch bewusstlos gewesen. Einmal sprach sie wunder­schöne Sätze für ihn auf den Anruf­be­ant­worter, die er verse­hent­lich löschte. Auf Magnet­bän­dern, 30 Jahre sind sie alt, finden sich Aufnahmen, das weiß er genau, der Cemba­listin, aber es fehlt das Abspiel­gerät dazu. Es geht mir ans Herz, wie ich den alten Mann in Rich­tung einer blühenden Kastanie davon­gehen sehe. Ich hatte ihn gefragt, ob er sich mit seiner Geliebten noch unter­halte, und er sagte, irgendwie schon, es ist ja so virtuell, und es kommen keine Antworten. – stop

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