westbengalen luftpostbrief

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ginkgo : 2.25 – Gestern habe ich einen selt­samen Brief von einem Freund erhalten, der sich gerade in Indien befindet. Der Brief war von seiner äußeren Gestalt her ein Stan­dard­luft­post­brief, fühlte sich aller­dings weich an, als würde ein dünnes Tuch in ihm enthalten sein. Er war zudem etwas schwerer als üblich. Als ich ihn öffnete fand ich ein hand­schrift­li­ches Schreiben vor, eine Foto­grafie und einen weiteren Brief von klei­nerem Format, mit einer Art Ventil in seiner Mitte. Mein Freund notierte am 25. Juni mit einem Blei­stift: Lieber Louis, seit zwei Wochen befinde ich mich in West­ben­galen nahe Sonada in einem kleinen Haus, das voll­ständig von Holz gemacht ist. Ich gehe haupt­säch­lich spazieren und wenn ich einmal nicht spazieren gehe, fahre ich mit dem Zug zwischen Jalpai­guri und Darjee­ling hin und her. Eine wunder­bare Zeit. Ich kenne inzwi­schen alle Zugführer persön­lich und so darf ich bei Dampf­be­span­nung vorne auf der Loko­mo­tive reisen. Du siehst mich anbei auf der Foto­grafie vor dem Kessel stehen, ja, ich bin unter den drei kleinen Männern mit den Rußge­sich­tern der in der Mitte. Ich habe Dir, lieber Louis, etwas indi­sche Eisen­bahn­luft einge­fangen. Sie ruht in den Umschlag gefüllt, der vermut­lich vor Dir auf dem Tisch liegt. Es wäre viel­leicht am besten, wenn Du einen Stroh­halm verwenden würdest, den Du mit dem Ventil verbin­dest, um dann einen tiefen Atemzug durch ein Nasen­loch zu nehmen. Aller­beste Grüße Dein L. – Es ist jetzt 2 Uhr und 30 Minuten mittel­eu­ro­päi­scher Sommers­zeit. John Coltrane LIVE: The Green Dolphin Street. – stop

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