blutgefäss

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romeo : 0.05 – Einmal, an einem heißen Sommer­abend, habe ich eine Stadt durch­wan­dert. Sie lag bereits unterm Nacht­zep­pelin, weshalb ich nicht sofort bemerkte, dass an der Innen­seite meines linken Ober­schen­kels ein volu­mi­nöses Blut­ge­fäss aus der Fassung gesprungen war. Der selt­same Eindruck, während ich spazierte, ein kleines Tier würde mich kosend berühren. Kurz darauf notierten Fahr­gäste eines U-Bahn­wa­gons, ich würde, derart weit geöffnet, viel­leicht bald ernst­haften Schaden erleiden. Und tatsäch­lich, da war ein Schlauch von dunkel­blauem Gummi, der nahe meiner Leis­ten­ge­gend unruhig durch die Luft zappelte. Ich konnte seine Bewe­gung sehr gut erkennen, weil ich, weiß der Himmel warum, insge­samt nicht bekleidet gewesen war. Eine ältere Dame, eine Ärztin, nahm dann Platz in meiner Nähe. Mit bloßen Händen erwei­terte sie meinen Schenkel bis hin zum Knie, so dass weitere Schläuche aus dem Ober­schenkel fielen, die sie sortierte, während sie gelassen eine Melodie vor sich hin summte. Da waren Struk­turen, kein Blut, in gelber, in roter, in grüner, in blauer Farbe. Indem sie an einem der geschmei­digen Röhr­chen zog, an einem fili­granen Gefäß, nein, an einem hauch­dünnen Seilzug, sand­farben, schloss sich das linke meiner Augen gegen meinen Willen, und die Ärztin lachte und sagte, schau her, wie schön bunt Du doch bist. Wenn ich hier ein wenig ziehen werde, machst Du auch noch das rechte Auge zu. Dann wach. – Heute ist Sonntag, bald wieder Nacht. Geträumt habe ich bereits am Samstag.

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