kleiner kopf

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romeo : 22.01 – Ich begeg­nete gestern am frühen Mor­gen einem Mann, den ich vor Jahren schon ein­mal beobachtet hat­te. Er wartete unter Fer­n­reisenden ste­hend verge­blich auf einen Zug. Ich erin­nere mich noch sehr gut an unsere erste Begeg­nung. Er hat sich sei­ther kaum verän­dert, ver­fügt nach wie vor über einen ungewöhn­lich kleinen, zum Him­mel hin spitz zulaufend­en Kopf. Damals, im Mai des Jahres 2011, saß er auf ein­er Bank, Ter­mi­nal 2, des Flughafens, seine Hände hiel­ten eine Tasse Kaf­fee vor einen kleinen Mund, kleine helle Augen star­rten in diese Tasse, kurz fix­ierten sie mich, dann wieder die Ober­fläche des Kaf­fees, der sich im Gefäß langsam drehte. Staunend wartete ich in der Nähe des Mannes auf ein­er weit­eren Bank, öffnete ein Buch, aber anstatt zu lesen, sah ich immer wieder hin zu dem kleinen Kopf. Ich kon­nte mir nicht denken, wie es möglich ist, mit einem der­art kleinen Kopf zu über­leben. Man stelle sich das ein­mal vor, der Kopf des Mannes war nicht sehr viel größer gewe­sen, als der Kopf eines Kindes von zwei oder drei Jahren. Eigentlich, dachte ich, müsste dieser Mann tot sein oder aber von eingeschränk­tem Denkver­mö­gen. Danach allerd­ings sah der Mann nicht aus, er trug die feine Klei­dung eines Geschäft­sreisenden, außer­dem war er ver­mut­lich in der Lage, aus Blick­en Gedanken zu lesen, weswe­gen ich bald selb­st zum Gegen­stand inten­siv­er Beobach­tung wurde. — Null Uhr zwölf in Kobane, Syr­ia. — stop
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